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[061] Kronenfriedhof in Eisleben
Gliederung:
Objektbeschreibung
Informationen für Besucher

Kronenfriedhof (Alter Friedhof), nordöstlich außerhalb der mittelalterlichen Stadt. Nach Inschriften wurde der Friedhof 1533 angelegt und der Bau 1560 weiter vervollständigt. Wertvoll ist der nach italienischem Vorbild gestaltete Campo Santo mit Epitaphen aus dem 16. Jahrhundert. Historisch bedeutend u.a. auch die Grabstätten von Bergrat E. Leuschner, Dr. Ludwig Plümicke und der Opfer des sogenannten Eisleber Blutsonntags auf dem Friedhofgelände.

Objektbeschreibung

Grabstätte von Ernst Leuschner (Foto Sauerzapfe)
Am 18. Oktober 1533 wurde auf diesem Gottesacker die erste Leiche bestattet. Die Nennung der Namen aller Mansfelder Grafen, der Ratsherrn und des Predigers Caspar Güttel, der als Prior des Augustinerklosters zum Reformator und ersten Prediger wurde, ist beredter Beweis der besonderen Bedeutung dieser Anlage.

1538 ließen die Stadtväter um den Begräbisplatz nach italienischem Vorbild eine überdachte Gruftanalge errichten, einen Campo Santo. Sie stellt einen schlichten Bau aus Säulen und einem unverputzten und unten nicht verkleideten Dach dar, der dem klassischen Campo Santo in Pisa ähnelt.

Die Anlage wird auch Kronenkirche genannt, weil hier einst die Totenkronen aufbewahrt wurden. Die Verstorbenen wurden während der Leichenpredigt aufgebahrt und mit Lorbeer und Myrte „gekrönt“. Nach der Beisetzung wurden die Kronen verwahrt. In die Sandsteinwand sind Bögen eingemauert, die vorrangig die Aufgabe hatten, Grabgemälde oder Epitaphen aufzunehmen. In den dazu gehörenden Grüften konnten die Särge der Verstorbenen verwahrt werden.

Erhalten – wenn auch in einem schlechten Zustand - ist die Gruft der Familie Bucher, einer ehemals bedeutende Kaufmannsfamilie der Stadt. Die in Öl auf Holz gemalten Epitaphe wurden bereits 1815 auf Anregung des Begründers der preußischen Denkmalspflege, Karl Friedrich Schinkel, an geeignetere Aufbewahrungsorte gebracht, um sie vor Verfall zu schützen.

Es gehörten u.a. weiter dazu:

  • Epitaph des Eisleber Hüttenmeisters Hans Stal d. Ä. (1541). Nach Hüttenmeister Stal wurde in Eisleben der Stahlshüttenhof benannt.
  • Die Epitaphe der Familie des Hüttenfaktors Feuerlein und der Familie Stoßnack mit Bezug auf das Mansfelder Berg- und Hüttenwesen. Die Erhaltung wird durch die Luthergedenkstätten gewährleistet.
  • Epitaph das „Brautpaar“ des Andreas Vogel, Oberaufseher in der Grafschaft Mansfeld und seiner Frau.
  • Der Torso des Grabmals für Bergkommissionsrat und Oberbergvogt Johann Ehrenfried Tölpe, (auch Toelpe, 24.08.1755- 13.02.1800), der an der Spitze des Sächsischen Eisleber Bergamtes stand. und u.a. auch die Gründung der Bergschule für den Mansfelder Kupferschieferbergbau maßgeblich förderte. Unter seinem Bildnis sind als Symbole des Bergbaus Keilhaue und Grubenkompass noch zu erkennen. Der Trauerengel mit gesenkter Fackel ist erheblich beschädigt.
Auf dem Friedhofgelände zu finden sind:
  • Unmittelbar links hinter dem Eingang zum Friedhof befindet sich das Grabmal der Familie Leuschner. Der Geheime Bergrat Ernst Leuschner (* 23.02.1826), langjähriger Ober- Berg- und Hüttendirektor der Mansfeld’schen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft verstarb am 3. Mai 1898. Vor ihm bereits seine beiden Söhne. Der ältere, Ernst, starb am 28. August 1876 im 20. Lebensjahr, der jüngere, Johannes, am 24. Januar 1889 im Alter von 26 Jahren. Leuschners Frau, Clotilde, geb. Padiera verstarb am 3. Januar 1906

  • Im hinteren Teil des Friedhofes wurde Karl Friedrich Ludwig Plümicke beerdigt. Das Plümicke-Grab ziert ein aus Gusseisen gefertigtes Grabkreuz. Eine vor der Säule angebrachte Tafel trägt die Inschrift: Grabstätte Plümicke-Eisentrauth / Dr. C. F. L. Plümicke 1791-1866 / Hervorragender Pädagoge an der Bergschule Eisleben 1817 (Bergbausymbol Schlägel und Eisen) 1862.

Auf dem Friedhofsgelände befinden sich auch Gedenkstätten für die Opfer der Weltkriege und der Gedenkstein für die Opfer des „Eisleber Blutsonntags“.




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