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[103] Ehemalige Betriebsberufsschule des Mansfeld Kombinates (Zweijahrschule) in Eisleben
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Zentrale Betriebsberufsschule des ehemaligen Mansfeld-Kombinates in Eisleben. Heute Sitz berufsbildender Schulen.

Objektbeschreibung

Ehemalige Betriebsberufsschule des Mansfeld Kombinates in Eisleben (Foto Mansfeldarchiv)
Die 1949 gegründete DDR war durch mannigfache wirtschaftliche Zwänge veranlasst, eigene Rohstoffressourcen voll auszuschöpfen. Dementsprechend behielt auch der Mansfelder Kupferschieferbergbau seine volkswirtschaftliche Bedeutung.

Um die angestrebten Förderleistungen zu erzielen, wurden dem Bergbau ab 1952 eine erhebliche Anzahl Grundschulabgänger als Bergbaulehrlinge zugeführt. 1952 betrug die Zahl der Auszubildenden annähernd 1200 Lehrlinge.

Es war das Ziel, diesen Lehrlingen eine solide aber umfassende Ausbildung zum Häuer angedeihen zu lassen. Dazu reichten jedoch die vorhandenen Ausbildungskapazitäten an Schulen und Lehrwerkstätten auf den einzelnen Betrieben des Mansfeld Kombinates nicht aus.

Aus wirtschaftlichen Gründen beschloss man daher, die bis dahin dezentral durchgeführte Ausbildung in einer zentralen Einrichtung zu konzentrieren. Dabei musste berücksichtigt werden, dass diese Jugendlichen erst 14 oder 15 Jahre alt waren und nicht nur aus dem Mansfelder Land kamen, sondern aus allen Bezirken der DDR.

Das Jugendschutzgesetz erlaubte vor Vollendung des 16. Lebensjahres generell keinen Einsatz unter Tage. Eine verstärkte theoretische Ausbildung und die Vermittlung technischer Grundfertigkeiten für den Bergmannsberuf mussten deshalb in die ersten beiden Jahre der insgesamt dreijährigen Ausbildung vorgezogen werden. Aus diesem Grunde wurde die neue Einrichtung amtlich und auch von der Eisleber Bevölkerung „Zweijahr-Schule“ genannt.

Bis zur endgültigen Fertigstellung des neuen Ausbildungskomplexes wurden Einrichtungen im Zentrum der Lutherstadt Eisleben für soziale Belange (Verpflegung und medizinische Versorgung in der Katharinenschule), für theoretische Ausbildung (Berufsschule in der Rammtorstrasse) und für praktische Unterweisungen genutzt.

Im neuen Komplex an der Querfurter Strasse entstand ein großes Schulgebäude, denn immerhin musste für die 1200 Lehrlinge vier Tage theoretischer Unterricht abgesichert werden. Neben diesem 3-stöckigen Schulgebäude baute man vier Wohnheime, einen Versorgungstrakt mit Großküche, Speise- und Kultursaal sowie das erforderliche Heizhaus. Später kamen noch eine Turnhalle, ein Sportplatz, zwei Werkhallen und einige Mehrzweckgebäude hinzu.

Die praktische Ausbildung unter Tage fand auf dem Lehrschacht „Fortschrittschacht II“ bei Unterrissdorf statt. Mit der Schließung der Schächte um 1968 in der Mansfelder Mulde erhielt auch die BBS „Hans Seidel“, wie sich der Ausbildungskomplex seit 1957 nannte, ein neues Profil. Für die Bergbauausbildung im neuen Sangerhäuser Revier wurden vor Ort eigene Ausbildungskapazitäten geschaffen.

Die BBS „Hans Seidel“ entwickelte sich zu einer Ausbildungsstätte für hüttenmännische, metallverarbeitende, elektrotechnische und elektronische Berufe. Wegen ihres hohen pädagogischen und technischen Niveaus gehörte sie von Beginn an zu den Berufsschulen, an denen zusammen mit dem Berufsabschluss auch das Abitur erworben werden konnte.

Die jetzt im Komplex an der Querfurter Straße untergebrachten berufsbildenden Schulen haben u.a. in der „Zweijahrschule“ ihre Anfänge und damit eine gute Tradition. 



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