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[054] St. Annenkirche und Augustiner Eremitenkloster in Eisleben
Gliederung:
Objektbeschreibung
Bemerkenswerte Kunstwerke in der Kirche
Informationen für Besucher
Zeittafel
Bildergalerie

Sehenswert im Umfeld: Kamerad Martin - Symbolfigur der „gräflichen“ Eisleber Neustadt und das allerdings sehr baufällige Neustädter Rathaus (nicht begehbar) auf dem Breiten Weg aus dem Jahre 1580.Sanierte Bergmannskirche in Eisleben, deren Entstehung eng mit dem Schicksal der Mansfelder Grafen verbunden ist. Baubeginn war  1514. Zeitgleich mit dem Bau der Kirche ließ Graf Albrecht IV. das Augustiner Emeriten-Kloster errichten, dessen Bausubstanz bis heute erhalten geblieben ist.

Objektbeschreibung

St. Annenkirche in Eisleben (Foto Sauerzapfe)
Als im Jahr 1501 eine weitere Erbteilung der Mansfelder Grafen erfolgte, fiel unter anderem auch das westlich von der Stadt Eisleben gelegene Areal dem Grafen Albrecht IV. (Hinterortische Linie, 1480-1560, in der neueren Literatur auch andere Zählweisen üblich – VI. oder VII.) zu.

Um diese Zeit erlebte der Mansfelder Bergbau eine segensreiche Blütezeit. Insbesondere der „Eißlebische Berg“ war so ergiebig, dass sich Graf Albrecht veranlasst sah, Bergleute aus anderen Gebieten sesshaft zu machen. Um ihnen eine Heimstatt zu geben, gründete er 1511 die Eisleber Neustadt.

Natürlich war die Gründung einer selbstständigen „Neustadt“ vor den Toren der Stadt Eislebens den Räten der Stadt, aber auch den Grafen Günther III., Ernst II. und Hoyer IV. ein Dorn im Auge, welche die Gründung der Neustadt verhindern wollten. Graf Albrecht ließ sich nicht beeindrucken – trotz vorliegender konträrer Verträge und Machtwort des Kaisers – seine Stadt wuchs zu einer ausgesprochenen Bergarbeiterstadt heran und hatte um 1550 schon über 300 Häuser mit ca. 1.500 Einwohnern.

Graf Albrecht, als offensichtlich weitblickende und zukunftsorientierte Persönlichkeit, plante dazu bereits schon 1513 die Errichtung einer Kirche in seiner Stadt, deren Bau er sich zu diesem Zeitpunkt vom zuständigen Erzbischof Ernst von Magdeburg bestätigen ließ. 1514 begann der Bau der Kirche und am 13. Januar 1516, bis dahin war der Chor der Kirche fertiggestellt, weihte sie der Erzbischof Albrecht auf den Namen der heiligen Anna.

Die Sankt Annenkirche der Eisleber Neustadt wurde die erste Pfarrkirche der Grafschaft Mansfeld. Zeitgleich mit dem Bau der Kirche ließ Graf Albrecht auch das Augustiner Emeriten-Kloster errichten, dessen Bausubstanz bis heute erhalten geblieben ist. Der Klosterbetrieb selbst wurde im Zuge der Reformation 1522 wieder aufgelöst.

Durch den Einfluss der Gräfin Margareta von Mansfeld, Gattin des Grafen Hans I. von Mansfeld, erfolgte der Weiterbau der Kirche in den Jahren von 1585 bis 1608. Gräfin Margareta erwarb sich, neben den Verdiensten der Fertigstellung der St. Annenkirche, auch hohe Anerkennung bei der Gestaltung der Eisleber Neustadt. Der Bau einer Schule und des Neustädter Rathauses gehen auf ihre Initiative zurück. In diesem Zeitraum wurde das Dach der Kirche mit Schiefern gedeckt, die Emporen fertiggestellt und der Fußboden gepflastert. Das Chorgestühl mit der Reliefbrüstung, für die 400 Jahre später der Architekt Georg Kutzke den Begriff „Steinbilderbibel“ prägte, wurde eingebaut. Der Glockenturm wurde mit 4 Glocken ausgerüstet, (heute ist nur noch eine vorhanden) und die Innenausstattung mit Orgel, Kanzel, Kassettendecke u.a. vervollkommnet.

So überstand die Kirche viele Jahrhunderte. Doch ihre Standhaftigkeit geriet Ende des 19. Jahrhunderts durch Auslaugungen im Hangenden des Kupferschiefers (nur eine indirekte Einwirkung des Mansfelder Bergbaus) in Gefahr. Um 1893 traten durch Erdsenkungen in der Eisleber Oberstadt an vielen Gebäuden Schäden auf. In der Nacht zum 13. November registrierte man in Eisleben vier kurz aufeinander folgende Erdstöße, welche erhebliche Sachschäden an der Gebäudesubstanz verursachten. Auch die St. Annenkirche erlitt Schäden und es wurden Risse, sowohl im Chorraum als auch im Kirchenschiff, sichtbar.

Die Senkungserscheinungen und damit die Gebäudeschäden, auch an der Kirche, nahmen weiter zu. So sah sich das Regierungspräsidium Merseburg in einem Schreiben vom 18. Juni 1895 veranlasst, den Kirchenrat aufzufordern, den Chorraum für die Besucher der Kirche abzusperren. Der Kirchenrat organisierte die Behebung kleinerer Mängel. Jedoch für eine Grundsanierung fehlte das Geld.

Das änderte sich erst, als 1902 amtlicherseits die Gebäudeschäden an der Kirche in die Liste „Durch Erdsenkungen beschädigten Gebäude“ aufgenommen wurden und sich die Berg- und Hüttendirektion der „Mansfeldschen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft“ veranlasst sah, Maßnahmen zur Behebung der Schäden einzuleiten.

Nach Schadensaufnahme und Kostenkalkulation wurde die Sanierung dem Architekten Georg Kutzke, Angestellter der Bauabteilung der Berg- und Hüttendirektion übertragen. Der Wiederaufbau erfolgte unter der Oberleitung des Baubeamten der die Kosten tragenden Mansfeldschen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft, des Königl. Baurats Erdmann Vetter. Beim Bau fanden die Vorschläge des Kreisbauinspektors Königl. Baurat Jahn und die Wünsche der Kirchengemeinde Berücksichtigung. Die Aufsicht führte der Regierungs- und Geh. Baurat Beißner, der in Gemeinschaft mit dem Landeskonservator Ober-Regierungsrat Lutsch und dem Provinzialkonservator Landesbaurat Rehorst die Ausführung in der Vorinstanz genehmigte.

Die Sanierung der Kirche erfolgte in den Jahren 1906 – 1908. So kann man heute, nahezu einhundert Jahre nach der Sanierung, eine Bergmannskirche betrachten, deren Entstehung eng mit dem Schicksal der Mansfelder Grafen verbunden ist. Ihre Innenausstattung macht diesen Zusammenhang deutlich.

Ein Besuch dieser Kirche lohnt in mannigfacher Hinsicht - sollte sie doch offensichtlich nach dem Willen ihres Bauherrn, des Grafen Albrecht IV. - die älteren Eisleber Kirchen an Schönheit und Größe übertreffen. Die Wirren der Zeit, vor allen Dingen die der Reformation, ließen dies nicht zu und so finden wir eine Kirche vor, die dadurch zwar nicht über eine innere und äußere einheitliche Architektur verfügt, aber dennoch mit ihrer historisch und künstlerisch wertvollen Ausgestaltung bei den Besuchern einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.



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