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[041] Paulschacht, später Otto-Brosowski-Schacht
Gliederung:
Objektbeschreibung
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Zeittafel

Eine der drei Großschachtanlagen der Mansfelder Mulde, abgeteuft in den Jahren 1900 bis 1906. Erz wurde bis 1969 gefördert. Die Höhe der  Spitzkegelhalde beträgt ca. 104m.

Objektbeschreibung

Paulschacht (Archiv Roloff)

Der Paulschacht ist der nördlichste der 3 Großschachtanlagen des Mansfelder Reviers. Er wurde in den Jahren 1900 - 1906 abgeteuft. Namensgeber war Paul Fuhrmann (1846 -1900), Nachfolger Ernst Leuschners als Ober-Berg- und Hüttendirektor.

Der Schachtröhrendurchmesser betrug 6 m. Der Schachröhrenausbau bestand aus Mauerwerk und Beton. Teilweise wurde ein Tübbing-Ausbau angewendet. Der Füllort befand sich in 575 m Teufe auf der 7. Sohle.

1948 – 1949 teufte man den Schacht weiter bis zur 11. Sohle. Mit 830 m war der Paulschacht damit der tiefste Schacht (Teufe der Schachtröhre) der Mansfelder Mulde. Der Füllort befand sich nun bei 789 m.

Folgende Horizonte wurden durchteuft:

  • bis 5,5 m Holozän / Pleistozän
  • bis 10,0 m Tertiär bis 430,5 m Bundsandstein
  • bis 526,7 m Zechstein
  • bis 830,0 m Rotliegendes.

1909 erreichte die Schachtanlage eine Belegschaftsstärke von 1000 Mann und zu Beginn des ersten Weltkrieges bereits 3000 Mann. Nach dem 2. Weltkrieg waren im Durchschnitt 2500 Beschäftigte angelegt.

Beim Bau der Werksanschlussbahn wurde das bekannte Fürstengrab von Helmsdorf entdeckt. Es ist ein herausragender Beweis für die alte Besiedlung der Region, die bis in die Jungsteinzeit zu verfolgen ist. Das Fürstengrab stammt der frühen Bronzezeit. Es enthielt unter einem Erdhügel einen Steinkegel von 12 m Durchmesser, unter dem eine dachförmige Holzhütte aus Eichenstämmen errichtet war. Darin wurden ein Eichensarg mit einem Skelett, dem diverse Geräte und Schmuck, zu großen Teilen aus Gold, beigegeben waren, gefunden. Die sind im Regionalmuseum Eisleben zu besichtigen.

1951 wurde die Schachtanlage in Otto-Brosowski¬Schacht umbenannt. Brosowski war ein kommunistischer Widerstandskämpfer gegen das NS - Regime.

Bereits in den ersten Betriebsjahren war der Betriebsablauf durch erhöhte Wasserzuflüsse beeinträchtigt. Auf der 7. Sohle wurde deshalb eine Hauptwasserhaltung installiert.  Höhepunkte erreichte die Gefährdung mit den Wassereinbrüchen 1952 und 1958. Der Wassereinbruch vom September 1958 war der Größte (Wassermenge je Zeiteinheit) in der Geschichte des Mansfelder Bergbaus (ca. 2000 m³/min.) Zeitweilig abgeschnittene Belegschaftsteile (63 Mann) konnten über Nachbarschächte gerettet werden.

Anfang der 1960 er Jahre wurde begonnen die Schachtanlagen in der Mansfelder Mulde stillzulegen. Als letzter Schacht wurde auf dem Otto-Brosowski-Schacht im Dezember 1969 die Produktion eingestellt. Nach der Einstellung der Bergbauproduktion siedelten sich zwei Bereiche der Generaldirektion des Mansfeld Kombinates - die Investitionsabteilung und der Bereich Prozessautomatisierung auf dem Schachtgelände an. Daneben gab es noch kleinere Produktionsbereiche der Zulieferungen für die Elektrotechnik, z. B. die Gesprächszählerfertigung für die Telekommunikation.

1990 wickelte man alle Bereiche ab. Anfang der 1990er Jahre wurden alle bergbaulichen Anlagen abgebaut und abgerissen. Heute erinnert außer der verbliebenen Spitzkegelhalde mit einer Höhe von 104 Metern und der abgedeckelten Schachtröhre nichts mehr an die ehemalige Bergbauproduktion. In einigen verbliebenen Werkstatträumen und Bürogebäuden sind heute kleinere private Firmen tätig. 



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