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[080] Schächte Brücken
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Zwei Flucht- und Wetterschächte des Westfeldes des Thomas-Münzer-Schachtes im Sangerhäuser Revier westlich der Ortschaft Brücken. Die Schächte wurden in der Zeit von 1969 bis 1975 aufgefahren und sind heute verfüllt.

Objektbeschreibung

 

Tagesanlagen des Schachtes Brücken (Archiv Spilker)

Die Schächte Brücken 1 und 2 entstanden von Oktober 1969 bis Oktober 1972 (Schacht 1) und von Dezember 1972 bis Juli 1975 (Schacht 2). Sie waren konzipiert als Flucht- und Wetter-Schächte für das sog. Westfeld des Thomas-Münzer-Schachtes in Sangerhausen, standen etwa 30 m voneinander entfernt und lagen etwas über 8 km westlich vom Th.-Münzer-Schacht. Ihr Ansatzpunkt lag bei 154,2 m über NN.

 

Die Schächte wurden als erste Schächte der DDR im Festgestein durch eine im VEB Schachtbau Nordhausen entwickelte Schachtbohranlage niedergebracht. Der Schacht 1 war der erste Schacht für den Kupferschieferbergbau überhaupt seit Ende des 19. Jahrhunderts, bei dem die Teufarbeiten im Festgestein mittels Großlochbohren durchgeführt wurden. Damals (1883) wurde der Clotilde-Schacht bei Eisleben wegen der starken Karstwasserzugänge aus dem Stinkschiefer mit dem Bohrverfahren nach Kind-Chaudron (Kombination von drehendem mit schlagendem Bohren) von 248 bis etwa 337 m niedergebracht.

 

Die Bohrschächte Brücken als Wetter- und Fluchtschächte wurden erforderlich, als wegen Ausdehnung des Grubenfeldes des Schachtes Sangerhausen weit nach Westen die an den Röhrigschacht im Norden von Sangerhausen gebundene Wetterführung instabil zu werden drohte.

 

Die Schächte Brücken 1 und 2 wurden bohrtechnisch bis zu einer Teufe von fast 560 m niedergebracht. Am geplanten Standort hielt man wegen der Sicherheit für das Vorhaben, die relative Nähe der Verbreitungsgrenze des Staßfurt-Steinsalzes und der Gefahr einer Karstwasserführung in diesem Bereich eine Vorbohrung für sinnvoll. Ihr Standort bildete mit den beiden Schächten ein Dreieck und lag etwa 80 m östlich von ihnen.

 

Mit Hilfe der Schachtvorbohrung sollten vor allem für den Bohrbetrieb wichtige Informationen zu den Gesteinseigenschaften und zur Wasserführung des Gebirges ermittelt werden. Wie sich herausstellte, wies der Teufenbereich zwischen etwa 20 und 70 m (Buntsandstein) extreme Zuflüsse auf. Sie stammten vermutlich aus Kontakten zu den Schottern, der unweit vom Schacht fließenden Helme. Es gab aber keine Hinweise auf weitere Zuflüsse, insbesondere nicht aus dem Zechstein (Karstwasser von der Oberkante bzw. der Verbreitungsgrenze des Staßfurt-Steinsalzes).

 

Der Bohrbetrieb wurde 1969 aufgenommen.

Konstrution des Schachtes (Archiv Spilker)

Eine Übersicht über den Schachtdurchmesser und die Konstruktion des teleskopartigen Ausbaus im Schacht Brücken 1 vermittelt das Bild. Im Prinzip wurden alle Bohrschächte so ausgebaut. Schacht 1 war bei einem lichten Durchmesser von 2,1 m für eine Wettermenge von 6000 m³/min ausgelegt. Der lichte Durchmesser lag wegen der Sicherung mit vorgefertigten Ausbausegmenten aus Stahl gegen die hohen Zuflüsse in den oberen Bereichen bei 3,4 m.

 

Für den Teufenbereich ab 384 m mit 120 m Staßfurt-Steinsalz war entsprechend den Ergebnissen der Vorbohrung trockenes Gebirge angenommen. Deshalb sah man ein Trockenbohrverfahren mit Luftspülung vor. Die bei Teufe 384 m angesetzte Trockenbohrung mit 2 m Durchmesser schnitt aber bei Teufe 387 m (Oberkante Steinsalz) ein nicht für möglich gehaltenes, Sole führendes Karstgerinne an, das schlagartig mit etwa 30 – 33 m³/min in den Schacht einbrach und diesen binnen kürzester Zeit füllte. Der Ruhewasserspiegel stellte sich bei etwa 40 m Teufe ein. Mit der gemessenen mittleren Soledichte von 1,165 g/cm³ ließ sich ein Solespeicherdruck von 402 m WS ermitteln. Dies entsprach etwa der Druckhöhe des Karstwasserleiters und ließ auf einen Solespeicher mit praktisch unendlicher Kapazität schließen. Im Zuge späterer Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass dieser Zirkulationsweg Kontakt zu tektonisch vorgezeichneten Karstwassergerinnen am Nordrand des Kyffhäusers hat, in deren Einflussbereich sich an der Oberkante des Staßfurt-Steinsalzes eng begrenzte und später auch nachgewiesene prielartige Gerinne gebildet hatten.

 

Sie waren u. a. auch verantwortlich für erhebliche Wasserverluste und Geländeschäden am Helme-Stausee bei Kelbra. Es musste auf einen Bohrbetrieb mit Sole umgestellt und ein zusätzlicher Vorbauzylinder von 151 m Länge eingebaut werden. Das ergab eine Kaliberverengung auf 1,5 m, eine Bauzeitverlängerung um 6 Monate, erhebliche Mehrkosten und nachhaltige Auswirkungen auf die folgenden Bohrschächte.

 

Die Erkenntnisse aus dem Niederbringen des Schachtes Brücken 1 und dem verringerten Durchmesser führten beim Schacht Brücken 2 neben Mehrkosten dazu, die lichte Weite auf 2,5 m zu vergrößern, sowie die Konstruktion des Ausbaus und das Bohrregime zu verändern.

 

Die Bohrschächte Brücken waren von 1973 (Schacht 1) bzw. 1978 Schacht 2) bis zum Abwerfen und Fluten des Westfeldes 1988 in Betrieb. Sie standen beide auf der 6. Sohle und wurden 1991/92 verfüllt. 



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