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[004] Ernst-Schächte, später Walter-Schneider-Schächte
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Objektbeschreibung
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Schachtanlage südöstlich der Ortslage Helbra. Die Schächte erreichten in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts als erste Tiefen unterhalb des Niveaus des Schlüsselstollens. 

Objektbeschreibung

Die Ernst-Schächte um 1900, links Schacht 4 im Malakowturm (Archiv Spilker)

Die 4 Ernst- (Schneider-) Schächte liegen südöstlich der Ortslage Helbra und östlich der Landstraße Wimmelburg-Helbra im Gewerbegebiet gegenüber (östlich) der ehem. Koch-Hütte (August-Bebel-Hütte).

Die Schächte wurden als erste tiefe Schächte für die Aufnahme des Abbaus weit unter dem Niveau des Schlüsselstollens in relativ geringem Abstand zueinander niedergebracht. Teufbeginn war 1864 für Schacht 1 und 2, 1881 für Schacht 3 und 1884 für Schacht 4. Dabei trat besonders bei den Schächten 1 und 2 erhebliche Behinderung durch Wasser auf. Trotzdem wurden alle Schächte bis zur 3. Sohle niedergebracht.

Der Schacht 1 war von Anfang an als Förderschacht, der Schacht 2 als Wasserhaltungsschacht vorgesehen. Die Erfordernisse der Produktion und der Wasserhaltung führten zum Entschluss, insgesamt 4 Schächte zu teufen.

Die Ernst-Schächte erhielten ihren Namen zu Ehren des damaligen Ober-Berg- und Hüttendirektors der Mansfeldschen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft in Eisleben, Ernst Leuschner (1826 - 1898). Im Jahr 1951 wurden sie zum Gedenken an den  während des Eisleber Blutsonntags 1933 ermordeten Bergmanns Walter Schneider (1903 – 1933) in Walter-Schneider-Schächte umbenannt. Die Schächte durchteuften folgendes Profil (Schacht 1):

  • bis 12,2 m Halde, Mutterboden
  • bis 63,0 m Buntsandstein
  • bis 231,0 m Zechstein (steinsalzfrei, Kupferschiefer)
  • bis 383,0 m Rotliegendes

Die Schächte haben alle Füllorte auf dem Niveau des Schlüsselstollens (176 m Teufe), in der 1. Sohle (240 m Teufe) und in der 3. Sohle (365 m Teufe).

Die Erzförderung erfolgte von 1875 bis 1901 und von 1953 bis 1966. In der 2. Förderperiode wurde vor allem aus dem Versatz kupferhaltiges Nebengestein (sog. Fäuleabbau) als Zuschlagstoff für die Rohhütten gewonnen.

Wasserhaltungsmaschine um 1900 (MansfeldBand2)

Die prekäre hydrogeologische Situation (Wassereinbrüche Ende des 19. Jahrhunderts / Verschwinden des Salzigen Sees) führte zum Einbau leistungsfähiger, mittels Dampfkraft angetriebener Pumpen. So hob die 1892 in der 3. Sohle aufgestellte Maschine mit 1200 PS Leistung 18 m³/min auf das Niveau des Schlüsselstollens und war die damals größte in Europa mit Dampf betriebene untertägige Wasserhaltungsmaschine. Später erhielt die Pumpstation, die ein wichtiges Glied der Mansfelder Wasserhaltung war, elektrisch angetriebene Kreiselpumpen und war über Schacht 4 bis zur Beendigung der Wasserhaltung in der Mansfelder Mulde im Jahr 1970 mit 3 Pumpen von je 14 m³/min in Betrieb.

Der Schacht 4 fällt auch heute noch auf, weil das 1885/86 als Malakow-Turm errichtete Schachtgebäude noch erhalten ist. Es steht unter Denkmalschutz, ist aber in einem desolaten Zustand. In seinem Innern befindet sich der verfüllte und abgedeckelte W.-Schneider-Schacht 4. Auch alle übrigen Schächte dieses Namens wurden verfüllt und mit einer Betonplatte gesichert.

Auf dem Gelände der W.-Schneider-Schächte wurde in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine Versuchsanlage zur Aufbereitung des Kupferschiefererzes mittels des Schwimm-Sink-Verfahrens betrieben.

Das Haldenareal der W.-Schneider-Schächte erstreckt sich über eine Fläche von 17 ha mit ca. 3 Millionen m³ Haldenmaterial. Eine Flachhalde mit einer aufgesetzten kleinen Spitzkegelhalde liegt südlich der Schächte. Die Halde wurde bereits zur DDR-Zeit zur Ablagerung von schwermetallhaltigen Rückständen der Kupfermetallurgie umgestaltet.  



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