Website übersetzen

[109] Schlaf- und Familienhäuser Mansfeld
Gliederung:
Objektbeschreibung
Zahlen und Fakten
Informationen für Besucher

Ehemalige Schlaf- und Familienhäuser der Mansfeldschen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft im Bereich der Kreuz-Hütte Leimbach

Objektbeschreibung

Südlicher Teil der Schlaf-/Familienhäuser in der Friedensallee (B 86) von Mansfeld, im Bildhintergrund das Bahnviadukt (Foto Dr. S. König - 2013)

Die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts einsetzende rasante Entwicklung der Mansfelder Berg- und Hüttenwerke bedingte einen hohen Bedarf an Arbeitskräften, der nur mit der Zuführung von auswärtigen Arbeitskräften abgedeckt werden konnte. Für die Unterbringung der angeworbenen ledigen Arbeiter wurden in dieser Zeit insgesamt 14 Schlafhäuser eingerichtet. Für die verheirateten Arbeitskräfte mit ihren Familien stellte die Mansfeldsche Kupferschiefer bauende Gewerkschaft Familienhäuser zur Verfügung. Auch ehemalige Schlafhäuser wurden zu Familienhäusern umgebaut.

Die an der Straße von Leimbach nach Vatterode liegende Eckardt-Hütte (siehe auch Objekt Nr. 21 – Hütten im Raum Mansfeld) entwickelte sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zu der ersten „Mansfelder Großhütte“. Die von dieser Hütte um 1900 erbrachte Schmelzleistung von 120 000 t Erz/Jahr war ohne die entsprechend große Anzahl von Arbeitskräften nicht denkbar, denen eine Unterkunft zur Verfügung gestellt werden musste. Durch die Inbetriebnahme neuer Hüttenanlagen (Eckardt-Hütte, Krug-Hütte) war es möglich ältere Hütten zu schließen. So wurde Ende November 1870 die Friedeburger Hütte und im Dezember 1870 die Mittelhütte bei Eisleben stillgelegt. Der Betrieb der Kreuz-Hütte bei Leimbach wurde am 29. September 1870 vorläufig eingestellt.

„Die Kreuz-Hütte bei Leimbach von der Mitternachtsseite“, Lithographie von H. Mützel nach F. Giebelhausen, Berlin 1837

Die Kreuz-Hütte wurde im April 1871 wieder in Betrieb genommen, um die wachsende Erzförderung der Kupferschieferschächte zu bewältigen. Ihre endgültige Stilllegung erfolgte 1872.

Lageplan der Kreuz-Hütte in der Stadtlage Leimbach (Ausschnitt aus dem nachbearbeiteten „Grund- und Nivellement-Riß von den Leimbacher Hütten“ von Markscheider Brathuhn aus dem Jahr 1853 mit Nachträgen bis 1886)

Wie auch bei anderen Bergwerks- und Hüttenstandorten der Mansfeldschen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft wurden sie nach Einstellung des Produktionsbetriebes für andere Zwecke weiter genutzt. Die Hüttengebäude der Kreuz-Hütte bei Leimbach wurden umfunktioniert zu Pferdeställen, Hafermagazin und Büros.

1876 begann der Umbau des alten Hüttengebäudes (Ofenhaus) in ein Schlafhaus für 180 Mann, der im Jahr 1877 abgeschlossen wurde.  

Lageplan mit Angaben zur Neunutzung der Gebäude der Kreuz-Hütte aus dem Jahr 1876 (Archiv der Stadt Mansfeld) – farbige Lageangaben ergänzt

Bereits zwei Jahre später, im Jahr 1879, wurden weitere Umbauten auf der Kreuz-Hütte vorgenommen. Unter Benutzung des nur in seinen Umfassungswänden stehen gebliebenen alten Koksschuppen der Kreuz-Hütte wurde der Bau einer Schlafhaus-Baracke für 226 Mann in Angriff genommen, deren Fertigstellung im Jahr 1880 erfolgte. In der Folgezeit wurden viele Schlafhäuser im Mansfelder Bergrevier zu Familienhäusern umgebaut, so auch die auf der Kreuz-Hütte. In dieser Zeit wurden vermutlich auch die Nebengebäude in Form von Schuppen und Ställen errichtet.

Blick von Süden auf die Wohnanlage auf dem Gelände der ehemaligen Kreuz-Hütte (Foto Dr. S. König - 2013)

Im Jahr 1906 wurden im Mansfelder Bergrevier nur noch zwei Schlafhäuser genutzt. Das Schlafhaus in Eisleben wurde Ende 1908 wegen zu geringer Belegung geschlossen. Der Betrieb des Schlafhauses in Klostermansfeld, vermutlich das Letzte, wurde Ende 1910 eingestellt.




Verwandte Themen
  1. [014] Schlaf- und Familienhäuser in Klostermansfeld
  2. [021] Hütten im Raum Mansfeld
  3. Bergrat Herrmann Schrader
  4. [043] Wolfschacht, später Fortschrittschacht
  5. [075] Kupferhütte Sangerhausen