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[141] Haldenlandschaft Pölsfeld-Räderplätzer Revier
Gliederung:
Objektbeschreibung
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Eine sehr gut erhaltene und umfangreich dokumentierte Haldenlandschaft des Altbergbaus befindet sich nordöstlich von Pölsfeld im Räderplätzer Revier. Neben Zeugnissen des historischen Kupferschieferbergbaus in Form von Halden und Schachtpingen ist auch ein Zechsteinkalkbruch anzutreffen.

Objektbeschreibung

Quellen: Mansfeld - Die Geschichte des Berg- und Hüttenwesens - Band 3: Die Sachzeugen; Dr. S. König  

Pingenlandschaft im Räderplätzer Revier (Foto Dr. S. König 2008)

Die im Sangerhäuser Revier in ihrer Ursprünglichkeit am besten erhaltenen gebliebenen Pingen und Halden liegen im Räderplätzer Revier und wurden im Rahmen von umfangreichen montanarchäologischen Untersuchungen vermessen und dokumentiert.

Die dabei erzielten Ergebnisse lieferten detaillierte Angaben zum historischen Kupferschieferbergbau im Bereich des Ausgehenden des Kupferschieferflözes.

Im Räderplätzer Revier befindet sich auch ein ausgedehnter Steinbruch. Die dort gebrochenen Kalkbanksteine wurden nachweislich auch unter Tage als Versatz- und Ausbauelemente einge­setzt.  

Die Haldenlandschaft im Räderplätzer Revier, nordöstlich von Pölsfeld, liegt am südwestlichen Rand des Hornburger Sattels. Das Kupferschieferflöz wurde hier tektonisch bedingt in geringer Tiefe angetroffen bzw. es streicht nach über Tage aus. Eine genaue zeitliche Datierung des Beginns des Kupferschieferabbaus in diesem Revier liegt nicht vor. Aus dem 17. Jahrhundert sind noch einige vereinzelte bergbauliche Aktivitäten bekannt.

Die in der Anfangszeit des Mansfelder Bergbaus betriebene Art des Abbaus im Bereich des Ausgehenden des Flözes wird als Duckelbau bezeichnet. Beispiele für diese Art Bergbau zu treiben sind in Form von Schachtpingen nur noch in Wäldern anzutreffen, wo sie vor menschlichen Eingriffen und Veränderungen geschützt sind. So auch im Räderplätzer Revier Beim Duckelbau wurde im Bereich des Ausgehenden in Abständen von rd. 6 m bis 15 m eine Vielzahl von Schächten niedergebracht, die Teufen zwischen ca. 3 m bis 10 m erreichten. Der Lageplan der Pingen im Räderplätzer Revier bei Pölsfeld veranschaulicht das Prinzip des Duckelbaus.

Lageplan von Pingen im Räderplätzer Revier (Quelle: Sommer, F. 1996, Bearbeitet Dr. S. König)

Der Abbau des Flözes erfolgte im Duckelbau jeweils nur im unmittelbaren, engen Umfeld der Schächte, sodass die Auffahrung eines Streckensystems nicht erforderlich wurde. Interessante Details über den Duckelbau wurden im Rahmen von montanarchäologischen Untersuchungen im Kämpfer Revier bei Wettelrode erzielt. Der aufgewältigte Schacht I verfügte über einen unregelmäßigen Schachtquerschnitt von rd. 1,7 m mal 1,7 m bei einer Teufe von rd. 5 m. Die Datierung eines aufgefundenen Holzstempels nach der C14-Methode ergab, dass dieses Ausbauelement etwa um das Jahr 1430 eingebracht worden ist.

Grundriss eines aufgewältigten Schachtes in einer Pinge (Quelle: Grunow, H. 1996, Bearbeitet Dr. S. König)

In dieser Zeit bewegte sich der Bergmann meist nur im Lagerstättenhorizont. Die Abbauhöhe betrug ca. 0,40 m, davon waren aber nur ca. 0,10 m bis 0,20 m schmelzwürdig. Die unter Tage anfallenden, nicht schmelzwürdigen Gesteine wurden als Versatz im abgebauten Flözbereich eingebracht. Das gewonnene Erz wurde mit Hilfe eines Haspels nach über Tage gefördert. Dort wurde es noch einmal ausgekläubt, d. h. sortiert. Das ausgekläubte, unschmelzwürdige Erz haldete man wallförmig um den Schacht auf. Die wallförmig aufgeschütteten Halden um die Schächte der Duckelbaue bestehen fast ausschließlich aus Kupferschiefer. Eine Ausnahme stellen die beim Abteufen der Schächte anfallenden Gesteine aus den Hangendschichten (z. B. Zechsteinkalk) des Flözes dar.

Bei den umfangreichen montanarchäologischen Untersuchungen der Pingen im Räderplätzer Revier wurden Pingendurchmesser zwischen rd. 1 m und 5 m ermittelt, die Höhe der erdwallförmigen Halden schwankt zwischen 0,1 m bis 1,1 m.

In der Regel gehen die Pingenlandschaften entsprechend dem Einfallen des Kupferschieferflözes allmählich in die Landschaft der Kleinhalden des Altbergbaus aus dem 16. bis 18. Jahrhunderts über. Geologisch bedingt stellen die Reviere am Südwestrand des Hornburger Sattels, so auch das Räderplätzer Revier interessante Ausnahmen dar, da sie auf tektonisch entstandenen Teilschollen bauten. Durch ihre isolierte Lage zwischen dem Hornburger Sattel und der Südwestrandstörung bedingt, weisen sie nur geringe flächenhafte Ausdehnungen und vertikale Erstreckungen auf.

Die im Sangerhäuser Revier in ihrer Ursprünglichkeit am besten erhaltenen gebliebenen Pingen und Halden liegen im Räderplätzer Revier und wurden im Rahmen von umfangreichen montanarchäologischen Untersuchungen vermessen und dokumentiert. Die dabei erzielten Ergebnisse lieferten detaillierte Angaben zum historischen Kupferschieferbergbau im Bereich des Ausgehenden des Kupferschieferflözes.

Offenstehende Schachtpinge im Räderplätzer Revier (Foto Dr. S. König 2008)

Im Räderplätzer Revier befindet sich auch ein ausgedehnter Steinbruch. Die dort gebrochenen bankigen Kalksteine wurden auch unter Tage als Versatz- und Ausbauelemente eingesetzt.

Zechsteinkalkbruch im Räderplätzer Revier (Foto Dr. S. König 2008)




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