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[163] Salziger See
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Objektbeschreibung
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Beschrieben werden der Salzige See und seine Beziehungen zum Kupferschieferbergbau der Mansfelder Mulde

Objektbeschreibung

Quelle: Mansfeld - Die Geschichte des Berg- und Hüttenwesens - Band 3: Die Sachzeugen  

Seit rund 100 Jahren beschäftigen der ehemalige Salzige See, sein Verschwinden und seine Wiederentstehung, immer wieder die Bevölkerung des Mansfelder Landes, existieren über dieses Gewässer und seine Gestalt zahlreiche beschreibende oder fachlich orientierte, aber auch polemische Veröffentlichungen. Neben beachtenswerten Fakten enthalten sie oft auch Irriges und sachlich Unrichtiges. Im Folgenden ist nicht beabsichtigt, eine Bewertung der bisherigen Veröffentlichungen vorzunehmen, vielmehr soll versucht werden, aus eigener Kenntnis und Sicht einige Fakten und Zusammenhänge darzustellen, ohne den Anspruch zu erheben, einen vollständigen Überblick über das Gesamtproblem zu geben. Vom Salzigen See, seinen Resten und seinem Nachbargewässer, dem Süßen See, sind folgende Daten bekannt (Abb. 1):

Abb. 1: Größenangaben zu den Mansfelder Seen (MansfeldBand3)

Auf älteren Karten war er in imposanter Größe dargestellt (Abb. 2 und 3) und reichte teilweise weit über die am Ende des 19. Jahrhunderts bekannten Begrenzungen hinaus.

Bemerkenswert ist auch, dass das Wasser des Süßen Sees zu Beginn derartiger Beobachtungen salziger war als das des Salzigen Sees: Dies hatte seine Ursache in der Einleitung der seit Anfang des 19. Jahrhunderts leicht salzigen Wässer des Kupferschieferbergbaus über den Froschmühlen-Stollen.

Abb. 2: Das Seengebiet nach dem Atlas von Homann 1729 (Archiv Spilker)

Abb. 3: Das Seengebiet nach dem geologischen Messtischblatt von 1852 (MansfeldBand3)

Beginnend mit dem Jahr 1892 senkte sich der Wasserspiegel des Sees rapide und der Bachlauf der Salzke, die den Abfluss der Seen in Richtung Saale bildete, fiel trocken. Bis zum Jahresende wurden etwa 2 m Abfall registriert.

Da dieser Vorgang verbunden war mit einer erheblichen Zunahme der Zuflüsse in das Grubengebäude der Mansfelder Mulde (u. a. ereigneten sich in den Jahren 1884 bis 1896 starke Wassereinbrüche im Grubenfeld der Otto-Schächte und des Clotilde-Schachtes), entschloss man sich, den See künstlich trocken zu legen.  

Abb. 4: Das Entwässerungssystem des ehem. Salzigen Sees (Archiv Spilker)

Diese Maßnahme wurde erreicht durch die Herstellung des nördlichen und des südlichen Ringkanals zur Abführung der Zuflüsse aus dem Umland (vom Süßer See und der Weida), sowie durch die Errichtung des Pumpwerkes Wansleben (mit einer Leistung von 120 m³/min) am Ostufer des Sees und des Mittelgrabens als der zentralen Entwässerung für das Seebecken (Abb. 4). Im Ergebnis dieser Maßnahmen wurden bereits im Herbst 1894 die trockengelegten Seeflächen zur landwirtschaftlichen Nutzung verpachtet.

Das Entwässerungssystem ist mit Abstrichen, die der Subrosion an den Zechsteinsalzen und dem daraus resultierenden Senkungsgeschehen geschuldet sind, bis heute in Betrieb. Das Pumpwerk hebt im Mittel etwa 17 Mio. m³/a (= 32 m³/min).  

Über die Genese der Mansfelder Seen, die Entstehung der Landschaft, die sie prägen, die Wechselwirkungen mit dem Bergbau, das Verschwinden des Salzigen Sees und seine eventuelle Wiederentstehung ist Nachfolgendes zu sagen:

Zunächst ist festzustellen, daß die wesentlichsten Fakten, die zur Bildung der beiden Seen geführt haben, neben der allgemeinen geologischen Situation im Hangenden des Kupferschiefers, d.h. dem Vorhandensein wasserlöslicher Gesteine (wie Steinsalz oder Anhydrit), vor allem die tektonische Beanspruchung entlang des so genannten Martinsschächter Flözgrabens (Abb. 5), seine Kreuzung mit der Hornburger Tiefenstörung im Bereich des ehemaligen Salzigen Sees 4 und die durch diese tektonischen Elemente bewirkte Herausbildung des sog. Teutschenthaler Sattels mit Steinsalzmächtigkeiten bis über 1000 m waren.

Dabei übernahm die Tektonik die Funktion einer Leitschiene für die Heranführung von Wässern, die am Westrand der Mansfelder Mulde versickerten, auf ihrem Weg über die Oberfläche des Staßfurt-Salzes des Teutschenthaler Sattels das dort anstehende Steinsalz auflösten und im schon genannten Kreuzungsbereich an der Hornburger Tiefenstörung als Solequellen an die Tagesoberfläche traten. Unterstützt wurde dieser Vorgang durch eine Fehlstelle des Buntsandsteins und von Teilen des Zechsteins auf dem Top des Teutschenthaler Sattels (Abb. 5).  

Abb. 5: Übersichtskarte Mansfelder Kupferschieferbergbau (Archiv Spilker)

Der unterirdische Substanzschwund an Steinsalz machte sich über Tage als Senkung bemerkbar. In die so entstandene flache Senkungswanne lagerten sich von den sie umgebenden Höhenzügen stammende Verwitterungsmassen ab, und letztlich entstanden auf diese Weise die Mansfelder Seen (Abb. 6).

Abb. 6: Schnitt durch den Teutschenthaler Sattel (MansfeldBand3)

In diesen ursprünglichen und natürlichen Zustand, der sich in Millionen von Jahren seit dem Tertiär herausgebildet hatte, griff mit dem Beginn des Abbaus von Kupferschiefer der Mensch ein (Abb. 7). Als der Abbau Ende des 19. Jahrhunderts im Bereich der Otto- und der Seegen-Gottes- (Otto-Helm-)-Schächte im Einflussbereich des Martinsschächter Flözgrabens diesen Zirkulationsweg unterbaute, entstanden vertikale Verbindungen zwischen dem Grubengebäude und dem im hangenden Zechsteingebirge zirkulierenden Wasser.

Die Folge waren katastrophale Wassereinbrüche, die sich im Verlauf der Jahre, beginnend 1884 bis 1907, entlang der westlichen Verbreitungsgrenzen des Staßfurt-Steinsalzes nach Norden bis zur 5. Sohle des Zirkel-Schachtes verlagerten. Dort blieb dieser letzte Wassereinbruch mit Speisung aus dem Gebiet des Salzigen Sees stationär als permanenter Wassereinbruch bis zur Flutung der Mansfelder Mulde erhalten. 

Abb. 7: Schema der Wasserzirkulation zum Salzigen See (MansfeldBand3)

Die Verbindung mit den Mansfelder Seen ließ sich im Zusammenhang mit den Wasserverlusten aus dem Binder See (Abb. 8a) 1961 (Erdfall) und 1968 (Belebung des Erdfalls v. 1961) durch Zuflusserhöhung am Zirkelschacht nachweisen (Abb. 8b).

Abb. 8a:Strudelbildung im Erdfallbereich Binder See (Foto Brendel)

Abb. 8b: Zuflußveränderungen unter Tage bei Wasserverlusten im Binder See 1962 und 1968 (MansfeldBand3)

Das Anzapfen des Zirkulationsweges der Karstwässer zum Seegebiet führte auf dem westlichen Teil des Weges praktisch zu keinen wesentlichen Veränderungen, doch erfuhr der Abschnitt östlich der Wassereinbrüche eine Umkehr der Zirkulationsrichtung von Osten nach Westen in Richtung Grubengebäude (Abb. 7). Dadurch wurden die im Salzigen See vorhandenen Solquellen vorübergehend zu Schlucklöchern für das Wasser des Sees und dieser selbst zum Wasserreservoir für die Wassereinbrüche im Grubengebäude.

Die kontinuierliche und Jahrzehnte lang andauernde Speisung der Zuflüsse im Südteil der Mansfelder Mulde aus dem Bereich des Salzigen Sees erfolgte dann aber infolge der geologischen Bedingungen in diesem Gebiet weitestgehend großflächig und nicht ausschließlich punktuell z.B. über Erdfälle.

Die Trockenlegung des Sees hatte also auf die Wasserabgabe an den Untergrund nur relativ geringfügigen Einfluß.

 

Mit der Aufgabe der Mansfelder Mulde und ihrer Flutung (während des Zeitraums der Jahre 1970 - 1981) ging die erhebliche Druckdifferenz zwischen Tagesoberfläche und Grubenfeld (rd. 300 m) allmählich verloren, da sich die Grubenbaue der Mansfelder Mulde und der weitestgehend lufterfüllte Hohlraum im Hangenden der Kupferlagerstätte wieder mit Wasser füllten. Bei Anstieg des aufgestauten Grubenwassers auf das Niveau des Schlüssel-Stollens ging diese Druckdifferenz praktisch gegen Null. Der Abstrom der im Seegebiet früher versunkenen Wässer reduzierte sich entsprechend und aus dem Seebecken musste mehr Wasser gehoben werden als vor der Einstellung des Bergbaus.

Heute ist das über Jahrzehnte lufterfüllte Gesteinspaket des Zechsteins wieder so weit mit salzigen Wässern gefüllt, daß im Raum um den ehemaligen Salzigen See salzige Wässer wieder an der Tagesoberfläche austreten (Abb.7 und 9). Das über dem Zechstein liegende selbständige Grundwasserstockwerk des Buntsandsteins blieb selbst im Gebiet des Salzigen Sees von all diesen Veränderungen weitestgehend verschont. Das hydraulische Gleichgewicht ist also etwa wieder hergestellt.  

Abb. 9: Wasserstände im Bereich Salziger See (MansfeldBand3)

Für den Salzigen See bedeutet dies, daß man sich entscheiden muß, ob seine Wiederentstehung gewünscht ist oder nicht.

Darüber sind nach 1990 intensive und teilweise konträre Diskussionen im Gange. Nach anfänglichen Bemühungen für den See, die auch von der Landesregierung gestützt wurden und zu einem lokalen Projektträger, der „Entwicklungs- und Sanierungs-Gesellschaft Seengebiet Mansfelder Land mbH“, sowie zu einem Fördermittelantrag bei der EU führten, wurde im Jahre 2007 nach der Ablehnung von Fördermitteln entschieden, das Vorhaben der Wiederentstehung des Sees nicht weiter zu verfolgen.

Aber sowohl die Entscheidung für als auch gegen den See erfordert erhebliche Aufwendungen, um die infrastrukturellen und technischen Voraussetzungen dafür in seinem gesamten Einzugsgebiet zu schaffen oder zu erhalten. Es muß z. B. entschieden werden, wie die Wasserqualität in den dem Seebecken zufließenden Vorflutern, der Weida und dem Süßen See,beschaffen sein soll.

Vor allem müssen der hohe Nährstoffeintrag aus der landwirtschaftlichen Nutzung und die Einträge aus Deponien bzw. aus anderen Altlasten als Probleme genannt werden. Ferner müssen technische Fragen gelöst werden, wie

  • die Verlegung der Bundesstraße 80 und anderer, untergeordneter Straßen,
  • die Verlegung von bestehenden Elektroenergie-, Gas- und Telefonleitungen,
  • die Verlegung von Wohngebäuden, Sportanlagen und Friedhöfen, sowie
  • die Veränderungen am bestehenden Gewässernetz. 

Die baulichen Maßnahmen haben unter Berücksichtigung der berechneten und auf ihre Auswirkungen hin untersuchten Wasserstände zwischen

  • minimal: +84,15 m NN = 7,94 km² Seefläche und 38,8 Mio. m³ Inhalt
  • maximal: +86,00 m NN = 8,75 km² Seefläche und 54,3 Mio m³ Inhalt

zu erfolgen.

Ein Abschluss ist gegenwärtig noch nicht abzusehen; im Oktober 2007 wurde die Liquidierung der “Entwicklungs- und Sanierungs- Gesellschaft Seengebiet Mansfelder Land mbH” bekannt gegeben. Wie die weitere Entwicklung und mögliche Lösungen aussehen werden, ist unbekannt, vermutlich wird sich die Natur eines Tages durchsetzen.  

Abb. 10: Pumpwerk Wansleben 2008 (MansfeldBand3)




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