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[002] Kochhütte, später August-Bebel-Hütte
Gliederung:
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Mit der Inbetriebnahme der ersten Tiefbau-Großförderanlagen für die Förderung des Mansfelder Kupferschiefererzes in der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchsen die Erzmengen deutlich an. So wurde die Errichtung neuer Hüttenkapazitäten notwendig. Die Kochhütte bei Helbra nahm im Oktober 1880, zehn Jahre nach der Krughütte bei Eisleben, als zweite Großhütte ihren Betrieb auf. Sie stellte im September 1990 ihre Produktion ein.

Objektbeschreibung

Luftbild der August-Bebel-Hütte aus dem Jahre 1990 (Foto Mansfeldarchiv)

Im Jahre 1864 wurde mit dem Auffahren der Ernstschächte in unmittelbarer Nähe des Ortes Helbra begonnen. Im nahen Umfeld förderten bereits der Schmidschacht, der Hövelschacht und der Bolzeschacht.

Das zusätzliche Erzaufkommen aus der neuen Schachtanlage verlangte die Erweiterung der im Territorium vorhandenen Verhüttungskapazität. Mit den bis dato üblichen kleinen, dezentralen Schmelzbetrieben war das Problem aber nicht mehr zu lösen.

So entstand, 10 Jahre nach der Inbetriebnahme der Krughütte bei Eisleben, am Standort Helbra eine zweite Großhütte. Sie stellte zusätzliche Verarbeitungskapazität bereit und konnte gleichzeitig bestehende Kleinhütten ablösen. Nach dem schon über Jahrhunderte bekannten Mansfelder Verfahrensprinzip wurde auch in der neuen Hütte Kupferschiefererz in Schachtöfen zu Kupferstein geschmlozen. Kupferstein ist ein Zwischenprodukt, das vorwiegend aus Kupfer, Eisen und Schwefel besteht. Dessen Weiterverarbeitung erfolgte auf den Hettstedter Feinhütten.

Mit der Wahl eines Standortes auf dem Territorium des Schmidschachtes war es möglich, Versorgungseinrichtungen dieses Bergwerkes auch für die neue Hütte zu nutzen. Der neue Hüttenbetrieb wurde unter dem Direktorat von Ernst Leuschner erbaut und begann am 1. Oktober 1880 zu produzieren.

Die Hütte wurde „Kochhütte“, nach einem Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, benannt. Die Stadt Leipzig war einer der Hauptaktionäre der 1852 gebildeten Mansfeldschen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft.

Im gleichen Jahr nahm eine Schmalspurbahn (Mansfelder Bergwerksbahn) zur Bewältigung des durch die großen Öfen bedingten erhöhten Materialumschlages, die Bergwerksbahn, ihren Betrieb auf. Sie versorgte die Kochhütte mit dem Erz der umliegenden Schächte. Ständig erweitert und ausgebaut ist sie bis zum Auslaufen der Förderung in der Mansfelder Mulde in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts das wichtigste Transportmittel zwischen den Mansfeldbetrieben geblieben.

Die Hütte ist während ihrer gesamten Betriebszeit ständig erweitert und modernisiert worden. Dabei ist eine Vielzahl von technischen Neuerungen in dem für die Verhüttung des Mansfelder Erzes typischen und weltweit einmaligen Prozesses zum Tragen gekommen. Von Beginn ihrer Tätigkeit wurde auch die beim Erzschmelzen in großen Mengen anfallende Schlacke einer Nutzung, insbesondere durch die Herstellung von Schlackensteinen, zugeführt. Die Verwertung der Schlacke als Baumaterial hat in der über 100 jährigen Tätigkeit der Hütte immer eine große Rolle gespielt. Pflastersteine aus Mansfeldschlacke kann man heute immer noch in vielen Teilen Deutschlands, aber auch außerhalb Deutschlands antreffen. Die Haltbarkeit der Seedeiche in den Niederlanden profitiert auch heute noch von der Dauerhaftigkeit dieses Materials.

Ab 1951 trug die Hütte den Namen „August Bebel“.

Zum Zeitpunkt des letzten Abstiches am 10. September 1990 erstreckte sich das Hüttengelände, auf dem in den 1970er Jahren, also zum Zeitpunkt der höchsten Produktion, 10 Schachtöfen arbeiteten, über eine Fläche von rund einem halben km2. Heute sind die Industrieanlagen vollständig zurückgebaut. Genutzt werden noch die ehemaligen Verwaltungsgebäude. Auf dem Gelände hat sich zwischenzeitlich wieder eine Reihe von Unternehmen angesiedelt. So unter anderem ein Unternehmen für die Verarbeitung von verbrauchten Katalysatoren, ein Holzkraftwerk und ein Unternehmen für die Produktion von Fahrradfelgen. Das heutige Gewerbegebiet kann als Musterbeispiel der erfolgreichen Sanierung eines mit Schwermetallen belasteten Industriestandortes angesehen werden.

Schlackenabbau auf der Halde der ehemaligen August-Bebel-Hütte in Helbra (Foto Weißenborn)

Das Bild des Standortes wird noch immer von einer gewaltigen Halde geprägt, auf der über einen Zeitraum von 110 Jahren im Hüttenprozess anfallende Schlacken deponiert worden sind. Die Schlacke wird heute  für den Einsatz im Straßenbau verwendet. Noch immer lagern hier rund 20 Millionen Tonnen dieses industriellen Abproduktes.

Malakowturm (Foto Weißenborn)

Im Umfeld der Hütte sind nur noch wenige Zeugen der von Bergbau und Erzverhüttung geprägten Geschichte dieses Industriestandortes sichtbar. Dazu gehören der Malakowturm (die imposante Ruine eines Maschinengebäudes der Wasserhaltung des Ernstschachtes IV) und der Förderturm des Schmidschachtes mit dem Gebäude der erhalten gebliebenen Fördermaschine, die sich auf dem ehemaligen Hüttengelände befinden. Sichtbar ist ebenso die auf einer Abraumhalde des Ernstschachtes gelegene Deponie von Schlämmen aus der Reinigung von Abgasen der Schachtöfen.



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