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Graf Vitzthum von Eckstädt - Deputierter und Namensgeber

Über den Namensgeber des im Jahr 1906 angehauenen Schachtes bei Hübitz (1951 in Ernst Thälmann-Schacht umbenannt) und Deputierter der Mansfeldschen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft

Aus den Mitteilungen des Vereins – Autor: Dr. Stefan König (Mitteilung Nr. 100 - 4/2009)

  

Graf Vitzthum von Eckstädt - Deputierter und Namensgeber

Dem aufmerksamen Leser des 3. Bandes unserer Mansfelder Montangeschichte ist es bestimmt nicht entgangen, dass im Abschnitt „Namensgeber“ relativ wenig Angaben zu Ernst Bernhard Graf Vitzthum von Eckstädt vorliegen. Er war Namensgeber des im Jahr 1906 angehauenen Schachtes bei Hübitz (1951 in Ernst Thälmann-Schacht umbenannt) und Deputierter der Mansfeldschen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft. Um die hinsichtlich dieser Persönlichkeit bestehende Wissenslücke zu schließen, wurden in den vergangenen Monaten umfangreiche Archivrecherchen durchgeführt, über deren Ergebnisse nachfolgend zusammenfassend berichtet wird. An dieser Stelle möchte sich der Autor besonders bei den Mitarbeitern des Stadtarchivs Radebeul sowie bei Herrn Kapitän zur See a. D. Klas Lackschewitz für die erwiesene Unterstützung und Hilfe bedanken.

Der Name Vitzthum, er leitet sich von „vicedominus-Vertreter des Fürsten“ ab, steht für ein altes und weit verzweigtes Adelsgeschlecht. Für den Erzbischof von Mainz übten die Herren von Apolda das Amt des Vicedominus in Erfurt aus. Ihr Familienbesitz war Eckstädt bei Erfurt.

Im Jahr 1711 wurde Friedrich Vitzthum von Eckstädt in den erblichen Reichsgrafenstand erhoben. Dieser Zweig der Adelsfamilie von Vitzthum besaß das Gut Schönwölkau und das Rittergut Lichtenwalde mit dem dazugehörigen Schloss Lichtenwalde nordöstlich von Chemnitz, im Tal der Zschopau.

Lebensstationen von Ernst Bernhard Graf Vitzthum von Eckstädt

Der am 26. September 1831 in Dresden geborene Ernst Bernhard verbrachte zusammen mit seinem Bruder Otto die ersten neun Lebensjahre in Ober-Lichtenau. Bereits mit drei Jahren verlor er seinen Vater und wuchs so unter der Obhut seiner Mutter auf. Seine schulische Ausbildung erhielt er in Dresden. Dort besuchte er das mit den Blochmannschen Erziehungsanstalten verbundene Vitzthumsche Gymnasium. Seine besondere Befähigung für Mathematik war wohl u. a. Veranlassung, ihn im Königlichen Sächsischen Kadettenkorps auf seinen Eintritt in die Reitende Artillerie vorzubereiten. Bereits 1865 wurde er als Hauptmann in den Königlichen Sächsischen Generalstab versetzt, wo er als Adjutant des Generalstabschefs diente. Im Jahr 1868 erfolgte seine Ernennung zum persönlichen Adjutanten des sächsischen Kronprinzen Albert. In dieser Dienststellung hatte er mehrfach Kontakt mit den Herrscherhäusern in Berlin und Wien. Er zog auch mit den Kronprinzen in den Deutsch-Französischen Krieg. Nach dem Waffenstillstand von 1871 bat Ernst Graf Vitzthum um Entlassung aus der Adjutantenstellung und um Versetzung in die Kavallerie. Ihm wurde als Rittmeister eine Schwadron des Ulanen-Regimentes in Oschatz unterstellt.

Am 18. September 1871 heiratete er die verw. Gräfin Helene von Wallwitz, geborene Edle von der Planitz, in Naundorf bei Oschatz. In zeitgenössischen Berichten wird sie als Obersthofmeisterin der sächsischen Kronprinzessin Carola erwähnt.

In den Jahren 1874 bis 1878 befehligte Ernst Graf Vitzthum als Oberst das Oschatzer Ulanenregiment. Nach Streitereien mit seinen Vorgesetzten nahm er nach achtundzwanzig Jahren Dienstzeit Abschied vom Militär.

Sein Wirken in der evangelisch-lutherischen Diakonie

Nach dem Ausscheiden aus dem Militärdienst siedelte er mit seiner Familie im Jahr 1879 von Oschatz nach Oberlößnitz bei Dresden über, wo er ein Villengrundstück erworben hatte. In Oschatz wurde sein Sohn Johann Friedrich (1874-1952, Dr. jur., sächs. Min.-Rat) und in Oberlößnitz sein Sohn Bertold Georg (1880-1945, Dr. phil., Prof. d. Kunstgeschichte) geboren.

An seinem neuen Wohnort findet der jetzt 48 jährige Ernst Graf Vitzthum auf Bitten seiner Schwester Julie, Oberin des dortigen Luisenstiftes, eine völlig neue Betätigung. Er übernahm zuerst als Stiftsverweser die Verwaltungsgeschäfte dieser zur evangelisch-lutherischen Diakonissenanstalt gehörenden Einrichtung. Es ist sehr bemerkenswert, dass der frühere Kommandeur eines königlich sächsischen Ulanenregimentes, ein Oberst a. D., das Kassen- und Rechnungswesen dieser „Lehr- und Erziehungsanstalt für Töchter höherer Stände“ so umfassend reformierte und neu gestaltete, dass es sich auch in den Kriegs- und Inflationszeiten zum Anfang des 20. Jahrhunderts in vollem Umfang bewährte.

Dabei kamen ihm bestimmt auch seine mathematischen Fähigkeiten zu gute, mit denen er bereits am Gymnasium in Dresden aufgefallen war. Unter seiner Leitung als Vorsitzender des Vorstandes der Diakonissenanstalt wurde auch ein zu dieser Zeit mit den modernsten Anlagen versehenes Krankenhaus als Lehrstätte für die Schwesternschaft errichtet. Mit 63 Jahren gab er sein Amt als Vorsitzender des Vorstandes auf und beschränkte sich auf die Verwaltung der Lößnitzer Anstalten des Diakonissenhauses.

Sein Wirken als Deputierter von 1904 bis März 1911

Wie bereits erwähnt, heiratete Graf Ernst Vitzthum im Jahr 1871 die verw. Gräfin Helene von Wallwitz (1837-1917), geborene Edle von der Planitz. In einem Mansfelder Gewerkenverzeichnis vom 15. Oktober 1862 sind vier Vertreter dieses sächsischen Adelgeschlechtes, so auch Fräulein Helene von der Planitz, aufgeführt. Für die Familie Vitzthum ist kein Besitz an Kuxen (etwa vergleichbar mit Aktien) verzeichnet. Es ist deshalb zu vermuten, dass der in späteren Jahren (z.B. 1903) ausgewiesene Kuxenbesitz für Ernst Graf Vitzthum aus dem Besitz seiner Ehefrau stammt. Durch die am 13. Februar 1904 in Kraft getretene neue Satzung der Mansfeldschen Gewerkschaft wurde die Anzahl der Deputierten von drei auf fünf erhöht. Ein für diese Wahl zusammengestelltes Gewerkenverzeichnis weist für den zu diesem Zeitpunkt bereits 72 jährigen Ernst Graf Vitzthum den Besitz von 50 Kuxen aus. Dieser Besitz ist relativ bescheiden im Vergleich zu den 1088 Kuxen von Dr. Wolf, der sich ebenfalls zur Deputiertenwahl stellte. Am 13. Oktober 1903 wurde Ernst Graf Vitzthum für den Zeitraum bis 1909 als Deputierter gewählt. Im Jahr 1904 bestand die Deputation aus Prof. Zirkel, Dr. Wachler, Dr. Dittrich, Dr. Wolf und Ernst Graf Vitzthum. Mit den Namen dieser Deputierten verbinden sich auch noch heute Erinnerungen an bekannte Mansfelder Schachtanlagen. Nach Ablauf seiner ersten Amtsperiode stellte sich Ernst Graf Vitzthum auf dem Gewerkentag am 18. Mai 1909 zur Wiederwahl. Er wurde auf die Dauer von 10 Jahren als Deputierter bestätigt. Aber bereits am 1. April 1911 schied er im Alter von 80 Jahren auf eigenen Wunsch aus der Deputation aus.

  

Die Namenswidmung des Schachtes

Am 5. Juli 1906 wurde in der Flur der Gemeinde Hübitz ein neuer Schacht angehauen, der den Namen des Deputierten Ernst Graf Vitzthum erhielt. Nach alter Mansfelder Tradition wurde der Taufakt mit Wünschen begleitet, die in Versform vorgetragen wurden. Der für das Abteufen verantwortliche Obersteiger Schimpf vollzog die Schachttaufe mit dem Ausschütten von Branntwein und mit dem Spruch:

Nachdem nun gesprochen das mächtige Wort
Graf Vitzthum heißt fortan der Schacht.
Sei du des Glückes und Fleißes Hort,
zur Ehre dessen, der dir den Namen gebracht

Graf Ernst Vitzthum hatte selber an der Schachtweihe nicht teilgenommen. Es ist auch nicht überliefert, ob er jemals den Schacht besucht hat.

 

Am 2. Januar 1917 verstarb er hoch betagt im Alter von 86 Jahren in Oberlößnitz. Sein Grabdenkmal war noch bis 2008 auf dem Friedhof in Radebeul vorhanden.


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