Home arrow Objekte arrow [110] Die Zimmermann-Schächte (bei Hettstedt)

Website übersetzen

[110] Die Zimmermann-Schächte (bei Hettstedt)
Gliederung:
Objektbeschreibung
Zahlen und Fakten
Informationen für Besucher

Diese ehemalige Bergwerksanlage liegt am Nordrand der Mansfelder Mulde. Sie war von 1850 bis 1890 in Betrieb.

Objektbeschreibung

Die Halde des Zimmermann-Schachtes (Foto Dr. S. König)

historische Aufnahme der Zimmermann-Schächte (Archiv-Hauche)

Die Zimmermann-Schächte befinden sich auf dem Areal der Haldenlandschaft Burgörner - Welfesholz.

Als Namensgeber für die östlich von Hettstedt gelegenen Schächte fungierte Leopold Victor Friedrich Zimmermann, (geb. 24.07.1778, gest. 23.04.1836) er war zwischen 1815 und 1835 Direktor des Bergamtes in Eisleben.

Sein Lebens- und Berufslauf kann wie folgt kurz zusammengefasst werden: Besuch des Gymnasiums in Quedlinburg (bis 1793). Praktische Tätigkeit in Hüttenbetrieben, anschließend Bergeleve und Tätigkeit in der Kanzlei des Oberbergamtes Rothenburg. Besuch des Haupt-Bergwerks-Eleveninstituts in Berlin (Oktober 1795 - April 1796). Schichtmeister und Hüttenschreiber in der Kupferhütte zu Rudolstadt/Schlesien (1798). Es folgte im staatlichen Auftrag eine Informationsreise durch Ober- und Niederschlesien und dem Erzgebirge. Nach dem Tod des Bergmeisters Winkler (12.03.1800) wurde er Hüttenschreiber und zweiter Betriebsbeamter in der Friedeburger Hütte, die er bis 1807 ausübte. Unter westfälischer Herrschaft wurde er als Oberhütteninspektor im Range eines Ingenieur en chef nach Rothenburg berufen.

Porträt von Leopold Victor Friedrich Zimmermann (Mansfeld-Buch 3)

Nach dem Erwerb der Rothenburg-Friedeburger Berg- und Hüttenwerke durch die Mansfelder Gewerkschaften (1810), trat er (1812) als Hüttenmeister in ihre Dienste. Nicht zuletzt wegen seiner hervorragenden patriotischen Leistungen während des Befreiungskrieges (1813-14) wurde er als Bergamts-Dirigent mit dem Titel Königlicher Ober-Hütteninspektor (um 1817) nach Eisleben berufen.

Die Einrichtung des Kupferhammers in Rothenburg, die Einführung größerer Erz-Schmelzöfen und stärkerer Gebläse sind Beweise seiner organisatorischen und fachlichen Fähigkeiten. Er griff auch die vorhandene Möglichkeit der Amalgamation wieder auf, vervollkommte sie und führte sie mit Erfolg bei der Entsilberung des Mansfelder Kupfers ein. Nicht nur auf technischem Gebiet zeigte er sich als genialer Erneuerer. Er erkannte als einer der ersten die Bedeutung der kaufmännischen Gestaltung des Kupferhandels indem er die Geschäftsordnung und den kaufmännischen Betrieb reformierte. Als Dirigent des Bergamtes war ihm auch die Leitung der Bergschule Eisleben anvertraut. Er schlug dem Berghauptmann Freiherr v. Veltheim den Bergeleven Plümicke als ersten hauptamtlichen Lehrer dieses Instituts vor. Im Jahre 1825 wurde er zum Bergrat ernannt.

Der Zimmermann-Schacht 1 wurde im Jahre 1848 von der Ackersohle bei +191,0 m NN mit einem Querschnitt von 1,9 m mal 3,8 m niedergebracht und erreichte im Jahre 1849 bei 94 m Teufe (+97 m NN) das Niveau des Zabenstedter-Stollens sowie in 117,5 m Teufe (73,5 m NN) sein Ziel, den Schlüssel-Stollen. Im Jahre 1858 wurde der Schacht bis zur 1. Sohle (+29,0 m NN) weiter niedergebracht. Während des Teufens gab es keine Behinderungen. Es wurde folgende Schichtenfolge angetroffen: bis 8,6 m Holozän und Pleistozän kein Buntsandstein bis 96,5 m Zechstein (tektonisch gestört, kein Steinsalz, Kupferschiefer wegen Tektonik bei 86,3 m und bei 96,2 m) bis 162,5 m Rotliegendes.

Die Reste des Zimmermann-Schachtes 1 im Jahr 1970 (Mansfeld-Buch 3)

Die Verbesserung der Wetterführung erforderte das Teufen des Schachtes 2, der nur 85 m südwestlich des Schachtes 1 angelegt wurde. Er wurde von 1871 bis 1873 mit 118 m Teufe bis zum Niveau des Schlüssel-Stollens niedergebracht. Beim Teufen dieses Schachtes traf man wider Erwarten in etwa 100 m Teufe ein durch tektonische Vorgänge im Werra-Anhydrit erhalten gebliebenes Vorkommen von Werra-Steinsalz an, das bei einer Mächtigkeit von 6 m bis 7 m eine Ausdehnung von etwa 50 m mal 100 m aufwies, nach eingehender Untersuchung vollständig abgebaut und an die Saline in Halle geliefert wurde.

Die Betriebszeit des Schachtes erstreckt sich auf die Jahre zwischen 1850 und 1890. Der Schacht 1 wurde im Jahre 1973 oberhalb einer im Schacht bei etwa 75 m Teufe eingebrachten Bühne verfüllt und mit einer Betonplatte gesichert. Der Schacht 2 wurde bereits bei Einstellung der Produktion im Zimmermann-Schacht verfüllt.

Die Abdeckelung des Zimmermann-Schachtes 1 (Foto Dr. S. König)




Verwandte Themen
  1. Victor Leopold Friedrich Zimmermann
  2. Franz Wilhelm Werner von Veltheim
  3. [121] Lichtloch 26 S
  4. [112] Die Seegen-Gottes-/Otto-Helm-Schächte
  5. Anton Friedrich Erdmann