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Die Gesimswappen (Südseite) in der Bergmannskirche St. Annen (2)

Der Autor Klaus Foth beschreibt in diesem Artikel Gesimswappen (Südseite) in der Bergmannskirche St. Annen (Teil 2)

Aus den Mitteilungen des Vereins - Autor: Klaus Foth (Mitteilung Nr. 99 - 3/2009)

Die Gesimswappen in der Bergmannskirche St. Annen (Teil 2)

 

Die Wappen der Südseite (Gezeichnet wie gesehen) Text und Zeichnungen: Klaus Foth, Teil 1 wurde in der Mittelung Nr. 96 veröffentlicht

Bei den an der Südseite angebrachten Wappen handelt es sich grundsätzlich um die Familienwappen der weiblichen Vorfahren der Gräfin Margarete von Mansfeld-Hinterort.
  
1.Gruppe 

Wappen an der Südseite, Reihe 1 (von links gesehen, vom Altar aus) 1.1 Braunschweig 1.2 Mecklenbg. (Mecklenburg) 1.3 Sachsen 1.4 Nassau

Das erste Wappen (1.1) vom Altar ausgesehen ist das Braunschweiger Wappen und es ist Margarete von Mansfeld-Hinterort gewidmet, die ja die Fertigstellung der Kirche nicht nur in die Wege geleitet, sondern auch federführend durchgeführt hat, die Vollendung 1608 aber nicht mehr miterleben konnte. Trotz ständig knapper Kasse ist ihr das in wunderbarer Art und Weise mit einer bemerkenswerten Tatkraft und Weitblick sehr gelungen. Aus Kostengründen entstand statt einer vermutlich ursprünglich geplanten dreischiffigen gewölbten Halle ein breites einschiffiges Langhaus mit dieser wunderschön bemalten Kasettendecke im Stile der Renaissance, vermutet auch die anerkannte Kunsthistorikerin Dr. Irene Roch-Lemmer aus Halle. Zu Margaretes Wappen ist zu sagen, dass es nicht fehlerfrei gezeichnet wurde. In den weniger bedeutsamen Feldern 2 und 3 fehlt bei beiden Löwen die rote Bekrönung und Bewehrung. Im Feld 3 ist er dazu noch nach links gekehrt. Es kann sich hier nur um das Wappen der Grafschaft Everstein handeln und da befindet sich im blauen Feld ein silberner, rot bekrönter, gezungter und bewehrter Löwe, es nimmt übrigens im großen Staatswappen des Herzogtums Braunschweig sogar einen recht respektablen Platz ein. Ein schwarzer Löwe in Gold (1. Feld) ist in ein Braunschweiger Wappen schwer einzuordnen. Auch mit dem Stadtwappen von Braunschweig kann es nicht in Verbindung gebracht werden. Schon bei Siebmacher (1605) erscheint dort ein roter Löwe auf silbernen Schild. Es ist nur eine Annahme von mir, aber vielleicht verband Margarete ein besonders herzliches Verhältnis zu ihrer Großmutter, der Markgräfin zu Meißen, dann könnte es sich hier um den meißnischen Löwen, allerdings verkehrt gerichtet, handeln. Im Feld 4 sieht man in Rot die blau gezungten goldenen Löwen (korrekt Leoparden). Es ist das eigentliche Wappen der Herzöge von Braunschweig, ältere Linie.

Das zweite Wappen (1.2) dieser Gruppe ist Margaretes Mutter zuzuordnen. Es war Sophie Herzogin zu Mecklenburg, verheiratet mit Ernst Herzog zu Braunschweig und Lüneburg. Hier fehlt im dritten Quartier am so genannten Stargarder Arm das um die Hand geschlungene Band. Dieser Arm erinnert an Beatrix, Tochter des brandenburgischen Markgrafen Albrecht III., die 1301 bei ihrer Heirat mit dem mecklenburgischen Fürsten Heinrich II. das Land Stargard als Brautschatz mitbrachte, dass damit mecklenburgisch wurde.

Das 3. Wappen (1.3), das kurfürstliche sächsische Wappen, gilt ihrer Großmutter väterlicherseits, Margaretha, Herzogin zu Sachsen, Landgräfin von Thüringen und Markgräfin zu Meißen, sie war verheiratet mit Heinrich Herzog zu Braunschweig und Lüneburg. Die Kurschwerter, hier fälschlicherweise nicht rot tingiert, waren das Würdezeichen des Erzmarschalls des Römisch Deutschen Reiches. Dieses Amt hatten die Herzöge von Sachsen inne. Nach der wettinischen Teilung verblieb die Kurwürde bei den Herzögen der ernestinischen Linie, die als Erzmarschälle des Reiches die roten gekreuzten Kurschwerter auf schwarz-weißem Feld führten. 1547 gingen sie nach dem Schmalkaldischen Krieg mit der Kurwürde auf die albertinische Linie des Hauses Sachsen (Wettin) über. Neben den Erzmarschällen führten auch die Grafen von Pappenheim als Reichserbmarschälle die Kurschwerter. Während die sächsischen Kurfürsten die Kurschwerter als Amtszeichen meist im Mittel- oder Herzschild anbrachten, erscheinen sie im pappenheimschen Wappen meist im gevierten Schild. (Oswald, S. 245) Das vierte Wappen (1.4) dieser Gruppe ist beschriftet mit ‚Nassau’. Es hängt hier für die Urgroßmutter Anna, eine geborene Gräfin zu Nassau und Dillenburg. Sie war mit Otto Herzog zu Braunschweig und Lüneburg verheiratet. Die Nassauer teilten sich zwar häufig in alle möglichen Linien, gewannen aber regelmäßig durch geschicktes Verheiraten immer wieder Territorium dazu. Zwar scheiterte 1507-17 ein Erbfolgestreit um Katzenelnbogen der so genannten Ottonischen Linie, doch steigerte der Erwerb des Fürstentums Oranien im Erbgang 1530 das Ansehen des Hauses. Wilhelm I. von Nassau-Dillenburg, seit 1544 regierender Prinz von Oranien, begründete das heutige Haus Oranien-Nassau, das seit 1815 die Herrscher der Niederlande stellt. Und im „Wörterbuch der deutschen Sprache“ ist übrigens vermerkt, dass der Begriff‚ nassauern’ von der Art des Nassauers, also etwas möglichst unendgeldlich zu bekommen, abgeleitet ist.

2.Gruppe

Wappen an der Südseite, Reihe 2 (von links gesehen, vom Altar aus) 2.1 Brandenburg 2.2 Brandenburg 2.3 Pfalz 2.4 Pommern 2.5 Sachsen 2.6 Hengsberg

Die zweite Gruppe beginnt mit dem Kurfürstlich Brandenburgischen Wappen (2.1) und es ist der Ur-Urgroßmutter von Margarete gewidmet, nämlich Magdalena Markgräfin zu Brandenburg und Tochter von Kurfürst Friedrich, die auch wie ihre Nachfahren mit einem Herzog von Braunschweig verheiratet war, mit Herzog Friedrich. Damit schließt sich die männliche braunschweigsche Linie von Ernst bis Friedrich.

Das nächste Brandenburgische Wappen (2.2) gehört der Mutter von Sophie, die mit dem Mecklenburger Herzog Heinrich verehelicht war.

Wappen 2.3 (Pfalz) steht für die Eltern von der Herzogin von Sachsen (1.3), hier für die rheinische Pfalzgräfin Elisabeth, verheiratet mit dem kurfürstlichen Sachsen Ernst.

Sophie von Stettin und Pommern (2.4) war die Mutter von Heinrich, Herzog zu Mecklenburg.

Mit dem Wappen 2.5 haben wir wieder ein sächsisches Wappen und es erinnert an Margaretha von Sachsen, das war die Mutter von Ursula Markgräfin zu Brandenburg.

Mit dem letzten Wappen dieser Gruppe ergibt sich ein Problem. Es ist Marie, Gräfin von der Loy und Hengstberg gewidmet, die mit Johannes, einem Grafen von Nassau-Dillenberg verehelicht war. Beide waren die Eltern von Anna (Wappen 1.4). Hengstberg wurde hier mit Henneberg gleichgesetzt. Im redenden Wappen der bereits 1310 gefürsteten Grafschaft Henneberg stand in Gold auf grünem Berge eine goldbewehrte schwarze Henne mit rotem Kamm und Lappen. Die Grafen nannten sich schon seit Ende des 11. Jahrhunderts nach ihrer Burg Henneberg bei Suhl. Bei Siebmacher wird weder über Hengstberg noch über Loy ein Wort verloren, so dass die Frage erst einmal offen bleiben muss.

3.Gruppe

Wappen an der Südseite, Reihe 3 (von links gesehen vom Altar aus) 3.1 Oesterreich (Österreich 3.2 Braunschweig 3.3 Brandenburg 3.4 Pommern 3.5 Baden 3.6 Kaiserlich (Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation)

Die 3. Gruppe beginnt mit dem Wappen der Erzherzogin von Österreich Margaretha (3.1), eine weitere Ur-Urgroßmutter von Margarete. (Sie hatte insgesamt 8 Ur-Urgroßmütter.

Zwei sind bereits mit ihren Wappen in der 2. Gruppe verewigt) Eine weitere war die Herzogin von Braunschweig-Lüneburg und Grubenhagen (Wappen 3.2). Im Feld 2 handelt es sich hier um das Wappen der Grafschaft Diepholz, hier allerdings in verkehrter Tingierung, richtig wäre ein silberner Adler in Blau. Sollte das dritte Feld den Grubenhagener Löwen zeigen, dann müsste er Gold tingiert werden.

Die fünfte Ur-Urgroßmutter ist Dorothea, Markgräfin von Brandenburg (Wappen 3.3) und die nächste ist die Pommerin Sophie (Wappen 3.4), die auch mit einem Landsmann, nämlich mit Herzog Friedrich von Stettin und Pommern verehelicht war. Genau wie bei Nr. 2.4 geht der pommersche Greif im ersten Quartier in die falsche Richtung und außerdem fehlt die goldene Bekrönung und Bewehrung. Die drei roten Sparren in Silber im zweiten Feld zeigen das Wappen der Grafschaft Ravensburg. Der goldene Greif in Blau war das Wappenzeichen der mecklenburgischen Fürsten zu Rostock und im vierten Feld fehlen im Gegensatz zum Wappen 2.4 zwei Rosen. Hier handelt es sich um das Wappen der Grafen von Gützkow, welche allerdings schon 1377 ausstarben.

Die letzten beiden Ur-Urgroßmütter waren die Markgräfin zu Baden Margaretha (Wappen 3.5) und Erzherzogin Anna von Österreich (Wappen 3.6), eine Tochter von Albrecht. Es kann sich eigentlich nur um Albrecht II. handeln, der bereits im Jahre 1411 mit 14 Jahren den Herzoghut für das Herzogtum Österreich erhalten hatte, aber schon mit 42 Jahren als König Albrecht II. starb. Zu diesem Wappen 3.6 mit der Kurzüberschrift „Kaiserlich“ ist anzumerken, dass es sich hier zugleich um das Wappen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation handelt.

 


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