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Unser neues Vereinslokal

Unser neues Vereinslokal – die Gaststätte „Zur Hüneburg“

 

Klaus Foth aus Wimmelburg besaß bis in die 20er Jahre des 19. Jahrhunderts eine Gaststätte und zwar die Dorfschenke, später Gasthof „Zum Deutschen Kaiser“. Nach 1945 diente sie als Schulhort und heute beherbergt das stattliche Gebäude an der B 80 gegenüber dem Gewerbegebiet einen Backwarenladen. Diese Dorfschenke genügte bis dahin, denn Wimmelburg zählte damals 453 Einwohner. Bis 1863 verdoppelte sich die Zahl, denn der Bergbau rückte näher und Wimmelburg begann aufzublühen. Nach dem Abteufen der nahen Otto-Schächte stieg die Bevölkerungszahl noch einmal kräftig an. Auch aus diesem Grund wurden im Ort innerhalb eines Jahrzehnts vier neue Gasthäuser eröffnet. Als erste der vier Gaststätten wurde die „Hüneburg“ gegenüber dem Chausseehaus durch den Bergmann Friedrich Kirchner errichtet. Anfänglich soll sie, wahrscheinlich wegen der unmittelbaren Nachbarschaft des Gasthofes „Zum deutschen Kaiser“, den stolzen Namen „Zum Kronprinz“ getragen haben. Da der alte Wimmelburger aber zum Mansfelder Urgestein zählte, wird es damals wohl bald einfach geheißen haben „Mir saufen unses Bier vurne in där Hieneborgk“ und so könnte es zur Umbenennung gekommen sein. Unter dem Gastwirt Wilhelm Vollrath, der die Gaststätte um 1877 erworben hatte, führte sie schon den Namen „Hüneburg“. (Immerhin war die Entscheidung insofern richtig, die unverfängliche Firmierung hat Kaiser, Hitler, Ulbricht und Honecker schadlos überstanden, das Haus selber allerdings nicht.)

Unter der Ägide von Gastwirt Vollrath wurde die Gaststätte aus- und der Saal Anfang der 80er Jahre angebaut. Bis um 1900 wurde in der „Hüneburg“ den Bergleuten der gleich hinter der Gastwirtschaft stehenden Otto-Schächte und sicher auch denen, die auf den Segen–Gottes–Schächten angelegt waren, der Lohn ausgezahlt. An jenen „Blauen Montagen“, unter denen viele Bergmannsfamilien litten, ging es in den Kneipen hier im Revier hoch her. So war es mit Sicherheit auch in der Hüneburg, die Wilhelm Vollrath wenige Jahre später günstig, denn Gasthäuser waren damals Goldgruben, an die Eisleber Actien–Brauerei verkaufte, die dann das Geschäft weiter verpachtete.

Der erste Pächter war der Gastwirt Weber, ein Mann mit Ideen, denn er pachtete auf der nahen Hüneburg einen geeigneten Platz vom nachbarlichen Domänenbetrieb und errichtete mitten im Grünen einen Tanzsaal mit Kolonnaden. Ebenso ließ er eine Platzkegelbahn, die bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts in nahezu keiner Dorfkneipe fehlte, bauen. Das sogenannte „Platzen“ war die Lieblingssportart des Mansfelder Berg- und Hüttenmannes.

Oben auf der Hüneburg feierte der Wimmelburger Kriegerverein den „Sedanstag“ und die Domäne ihr Erntedankfest. Nach dem I. Weltkrieg wurde der Baumbestand der Hüneburg wegen Brennstoffmangels fast vollständig abgeholzt und der Spaß im Grünen war vorbei. Ab 1898 war der Gastwirt Dittmann Pächter, er bewirtschaftete sie bis zum Beginn des I. Weltkrieges. Danach übernahm sie sein Kollege Hesse, der aber schon im ersten Kriegsjahr fiel. Bereits 1915 übernahm August Staske die Wirtschaft. 1919 wurde die „Hüneburg“ verkauft. Der neue Besitzer hieß Oehme, der sie wieder verpachtete, sie aber 1939 (wahrscheinlich sogar bis 1945) noch in Besitz hatte. Der greise August Staske, Besitzer des Nachbargrundstückes Unterdorf Nr. 2, begann 1932, den Sommerbetrieb wieder zu eröffnen.

Heute ist das Anwesen am Fuße der rund 1600 Meter langen Otto-Schächter Halde wieder ein Blickfang. Neu eröffnet wurde die geschichtsträchtige Gaststätte mit einer großen Party zu Silvester 2007. Wir, die Mitglieder des Vereins Mansfelder Berg- und Hüttenleute e. V. werden auf jedem Fall am 12. August zur Premiere in unserem neuen, zukunftsorientierten Vereins-lokal von den Wirtsleuten Bettina Muriqĭ und Andreas Zinke erwartet.


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