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[115] Breites Umkehrwalzwerk bei MKM
Gliederung:
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Mit dem Bau eines Messingwerkes in Hettstedt wurde auch ein Schweres Reversierwalzwerk (auch als Breites Umkehrwalzwerk bezeichnet) am 3. Januar 1910 in Betrieb genommen.

Objektbeschreibung

Breites Umkehrwalzwerk (Foto: MKM)

Am 7. Mai 1907 beschloss der Gewerkentag der „Mansfelder Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft“ die Errichtung eines Messingwerkes neben der Gottesbelohnungshütte in Hettstedt. Der mit der Projektierung beauftragte Ingenieur Ferdinand Bleicher erkannte nach Rücksprache mit der kaiserlichen Werft in Kiel und dem Reichsbahnzentralamt den hohen Bedarf an breiten und dicken Blechen. Deshalb nahm er zusätzlich in seinem Projekt den Bau eines schweren Reversierwalzwerkes auf und beantragte hierfür zusätzliche Mittel von 650.000 Mark, welche von der Deputation der Gewerkschaft bewilligt wurden. Die Erfüllung aller Kundenwünsche erforderte eine Walzballenlänge von 4200 mm um erstmalig in der Welt Bleche über 4.000 mm Breite zu walzen.

Der Antrieb solch schwerer Walzwerke erfolgte noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausschließlich durch Dampfmaschinen. Bleicher entschied sich, entgegen aller Vorurteile, für einen elektrischen Antrieb über Ilgner Umformer. Es gibt in der Welt nur noch wenige solcher voll funktionierenden Anlagen. Das Walzwerk war das breiteste und modernste Walzwerk der Welt in der Buntmetallindustrie. Auf dieser Anlage wurden Bleche bis zu einer Breite von 4.150 mm gewalzt. In der über 100jährigen Geschichte von MKM stand das Breite Umkehrwalzwerk oft im Mittelpunkt des Werkes. So wurden vom 1.07.1948 bis einschließlich 1984 4,5 Mill.t Stahlgrobbleche gewalzt.

Am Walzgerüst und dem elektrischen Antrieb erfolgten keine wesentlichen technischen Veränderungen. In den Großreparaturen 1951 und 1952 (finanzieller Aufwand 1,5 Mill. Mark) wurden u.a. durch den Einbau eines neuen Arbeitsrollganges, Bau neuer Öfen und Erweiterung des Kühlbettes Voraussetzungen zur weiteren Steigerung der Produktion geschaffen. Auch in den folgenden Jahren erfolgten weitere Rekonstruktionsmaßnahmen an den Zusatzeinrichtungen (Öfen, Scheren, Kühlbett ect). Die höchste Bruttowalzleistung wurde 1982 mit 214.000 t erreicht.

Es ist wohl einmalig in der Welt, dass ein Walzwerk für Buntmetalle für das Walzen von Stahl intensiv über Jahrzehnte genutzt wurde. Heute ist das Aggregat noch die einzige betriebsfähige Anlage aus Zeit der Gründung von MKM. In der Abteilung werden für Kunden in der ganzen Welt breite und dicke Bleche, Zuschnitte und Ronden aus allen Buntmetalllegierungen hergestellt. Die große Produktpalette an Legierungen und Abmessungen mit Einzelfertigung bei Erfüllung höchster Qualitätsansprüche sichert die weitere Perspektive dieser Abteilung.

Das Umkehrwalzwerk ist seit 1995 in das Verzeichnis der Kulturdenkmale Teil 1- Baudenkmale des Landes Sachsen- Anhalt eingetragen.



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