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[074] Braunkohlenbergbau bei Riestedt
Gliederung:
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Im Gebiet um Riestedt nahe bei  Sangerhausen fand schon am Beginn des 17. Jahrhunderts (erste Erwähnung 1601) im Tiefbau der Abbau von Braunkohle statt. Die Kohle wurde auch von der Mansfeldschen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft als Brennstoff genutzt.

Objektbeschreibung

Benutzt man die B 80 zwischen Eisleben und Sangerhausen so quert man zwischen den Ortschaften Emseloh und Sangerhausen (beide Kreis Sangerhausen) eines der am Südrand von Harz und Kyffhäuser aufgereihten Tertiärbecken, das Becken von Riestedt / Emseloh, von Ost nach West. Diese Tertiärbecken entstanden vor allem im Eozän infolge tektonischer Bewegungen und im Zusammenwirken mit subrosiven Vorgängen an der Verbreitungsgrenze von Zechsteinsalzen (Staßfurtserie).

Hier bei Riestedt fand schon am Beginn des 17. Jahrhunderts (erste Erwähnung 1601) im Tiefbau der Abbau von Braunkohle, die man zu dieser Zeit im Unterschied zur Holzkohle noch als „Steinkohle“ bezeichnete, statt. Die rechts und links der Straße liegenden, mit Birken und Buschwerk bewachsenen Halden und mehrere als die Folge des im Bruchbau erfolgten Abbaus entstandene Teiche markieren das Terrain.

 Bemerkenswert ist, daß die Straßentrasse generell höher liegt als das Umfeld. Dies ist begründet in der Tatsache, daß die Alten die Straße durch einen Pfeiler schützten und so dort die Abbausenkungen vermieden. Auch die heute als Ortsumgehung südlich um Riestedt herumführende B 80 führt fast bis zur Überquerung der Bahnlinie Halle – Kassel durch diese Landschaft.

Das produktive Tertiärbecken Riestedt erstreckt sich im Westen bis in den Ort hinein, reicht im Osten bis Emseloh und wird nördlich und südlich etwa durch die Bewaldung markiert.

Das folgende geologische Profil im Tertiärbecken wurde 1961 am östlichen Ortsrand von Riestedt unmittelbar an der Straße, also im vom Abbau nicht berührten Straßenpfeiler, festgestellt :

  • bis 0,3 m Pleistozän und Holozän
  • bis 57,0 m Tertiär (mit mehreren Braunkohleflözen)
  • bis 299,0 m Unterer Buntsandstein
  • bis 470,0 m Zechstein (mit 0,37 m Kupferschiefer, kein Staßfurt-Steinsalz, 4,8 m Werra-Steinsalz)

Während der Abbauphase wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Reihe von Bohrungen zur Erkundung der Verbreitung der Braunkohle, ihrer Qualität und ihrer Mächtigkeit niedergebracht. Sie geben sehr weit gestreute Mächtigkeiten an. Es sind demnach bis zu 5 Kohleflöze mit insgesamt bis zu etwa 6 m Mächtigkeit angetroffen worden. Die Kohlequalität schwankte zwischen sog. Moorkohle (feste, erdige Konsistenz) und die sog. Scheit- oder Klotzkohle. Die Kohle wurde in wechselnder Mächtigkeit mit vielen sandigen und tonigen Zwischenmitteln vorgefunden.

Die Lagerstätte fiel flach (5 – 10 °) nach SO ein. Während das oberste Flöz i. R. trocken angetroffen wurde, und z. T. nur wenig unter der Erdoberfläche lag, war der Zugriff auf die tiefer liegenden Flöze oft von Wasserzugängen behindert. Die Entwässerung mittels Stollen wurde versucht. Sie war aber wenig erfolgreich, da sie, morphologisch bedingt, weitestgehend in den oberen, teilweise schon abgebauten Flözen erfolgte. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Wasserhebung über einen Maschinenschacht auch per Dampfmaschine betrieben.

Aus den Bohrlochangaben kann man auf Schachtteufen bis ca. 40 m schließen.

Der Abbau selbst wurde mit zahlreichen Unterbrechungen zunächst von den Grundstückseigentümern, zeitweise auch von der Sangerhäuser Gewerkschaft betrieben. Die letzte Abbauphase von 1837 bis 1894 lief unter der Leitung der Mansfelder Gewerkschaft.

Der Absatz der Kohle erfolgte als Brennstoff an die Kupferschiefer bauenden Gewerkschaften, aber z. B. auch an lokale Firmen zur Salpeterherstellung. Auch die Saline in Artern gehörte zeitweise zu den Abnehmern.



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