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[003] W-Schacht
Gliederung:
Objektbeschreibung
Zahlen und Fakten
Informationen für Besucher
Zeittafel
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Der W-Schacht (einer der mit Buchstaben bezeichneten Schachtanlagen der Mansfelder Mulde) liegt in Wimmelburg. Er wurde 1811 bis 1815 abgeteuft und diente der Wasserhaltung. Heute ist er Betriebsstandort der Abteilung Bergsicherung der GVV mbH Sondershausen.  Über ihn sind die sogenannten Wimmelburger Schlotten zu erreichen.

Objektbeschreibung

Bobinen-Fördermaschine des W-Schachtes mit Flachseil in Aktion (Foto Sauerzapfe)

Der W-Schacht wurde von 1811 - 1815 abgeteuft. Er hat einen Schachtquerschnitt von 1,6 x 5,5 m und erreicht eine Teufe von 130 m.

Der Schacht steht direkt in den sog. Wimmelburger Schlotten, einem durch Subrosion an der Oberkante des Zechsteinkalks im anhydritischen Gestein der Werraserie entstandenen Höhlensystem. Innerhalb eines solchen Hohlraums befand sich auch der Pumpenraum der Wasserhaltung.

Der W-Schacht war kein Erzförderschacht. Er wurde zur Beherrschung der in den umliegenden Schächten zusitzenden Wässer als Wasserhaltungsschacht geteuft. Mit dem Teufen und der Inbetriebnahme des W-Schachtes wurde eine Kette von Versuchen zur Lösung der Wasserhaltungsprobleme im Schafbreiter Revier abgeschlossen.

In Anlehnung an die Erfahrungen auf dem König-Friedrich-Kunst-Schacht im Revier Burgörner bei Hettstedt (1. deutsche Dampfmaschine Watt`scher Bauart) wurde für den Mansfelder Bergbau auf dem W-Schacht nach 1815 eine 2. Dampfmaschine zum Antrieb der Pumpen eingesetzt.

Mit Hilfe des zunächst kombinierten Systems der Wasserkunst im T-Schacht und der dampfgetriebenen Pumpe im W-Schacht gelang es immer tiefer liegende Abbaufelder, die z. T. noch unter dem Niveau des späteren Schlüsselstollens lagen, wasserfrei zu halten und so den Abbau in diesem Revier zu ermöglichen.

Besuchergruppe in den Schlotten (Foto Sauerzapfe)

Auch heute noch ist es möglich, über den W-Schacht in die um 1800 entdeckten sog. „Wimmelburger Schlotten“ zu gelangen. Sie liegen etwa 80 bis 100 m unter Gelände, sind teils nur kriechend zu befahren, teilweise handelt es sich aber um hohe, hallenartige Räume.

Besucher-Inschrift (Foto Sauerzapfe)

Die heute bekannten Hohlräume erstrecken sich auf eine Fläche von etwa 700 x 400 m. Sie waren seit ihrer Entdeckung immer wieder Besichtigungsobjekt, zeitweise wurden in ihnen sogar Feste gefeiert. Derartige Befahrungen machten den W-Schacht auch „kulturhistorisch wertvoll, denn viele Besucher verewigten sich durch Anbringen ihres Namenszuges auf den angerussten Schlottenwänden. Damit entstand hier ein einmaliges „Besucherbuch“.

Die Schlottenräume wurden durch den Betrieb der Wasserhaltungen des Kupferschieferbergbaus bis etwa 1980 trocken gehalten. Seitdem stehen die tiefer liegenden Teile dieser Schlotten infolge der Flutung der Mansfelder Mulde wieder unter Wasser.

Der W-Schacht hatte als Wasserhaltungsschacht seit dem 19. Jahrhundert nicht nur eine enorme Bedeutung für die Fortführung des Bergbaus, sondern bis 1992 auch als Versorger mit einem harten Trink- und Brauchwasser für die Betriebe der Mansfeld AG bzw. des Mansfeld-Kombinates und für die Bevölkerung des Großraumes Eisleben.

In diesem Zusammenhang erhielten der Glückaufer Stollen (angehauen 1730) und der Froschmühlenstollen (angehauen 1698) eine neue Bedeutung als Wassersammler für die Pumpstationen der Wasserversorgung. Der W-Schacht versorgte über seine Pumpanlagen und übertägigen Hochbehälter bei einer max. Förderhöhe von 260 m nicht nur die ihn direkt umgebenden Orte, sondern auch Eisleben und den Raum Helfta mit Hermann-Schacht (1901-1924) und Dittrich-Schacht (Fortschritt 2, 1910-1960).

Der Froschmühlenstollen im Bereich des W-Schachtes (Foto Sauerzapfe)

Heute werden die Verbraucher von Trinkwasser mit Fernwasser aus dem Harz versorgt und das Wasser aus dem Bergbau fließt ungenutzt über den Froschmühlenstollen bei Lüttchendorf in den Süßen See.



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