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[087] Klosterkirche Wiederstedt
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Objektbeschreibung
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Zeittafel

Kirche, die als einziges Bauwerk einer in der 1. Hälfte des 13. Jh. gebauten Klosteranlage erhalten ist. Die Klosterkirche Wiederstedt liegt Ausgang des Ortes Wiederstedt in Richtung Sandersleben.

Objektbeschreibung

Im Jahre 1255 bewilligte der Halberstätter Bischof Volrad die Umwandlung des 1233 vom Graf Albrecht von Arnstein gegründeten Hospitals auf dem Kupferberg bei Hettstedt, welches der Gottesmutter Maria und dem Hl. Gangolf geweiht war, in ein Nonnenkloster. Noch in der Gründungsphase beschlossen Mechthild (Witwe des Grafen) und ihr Sohn Walter von Arnstein die Verlagerung des Klosters aus geografischen und politischen Gründen nach Oberwiederstedt.

1261, nach Fertigstellung der Klosterbauten, bezogen die Nonnen ihr neues Domizil. Um diese Zeit trat auch Mechthild von Arnstein in das Kloster ein und wurde nach dem Tod von Elyanas, der ersten Priorin, 1264 die neue Leiterin des Klosters. Mit ihrem Einfluss konnte das Kloster in den folgenden Jahrzehnten umfangreiche Ländereien, Einkünfte und Rechte erwerben.

Ende des 15. Jahrhunderts hatten die Oberwiederstedter Nonnen Landbesitz und Rechte in mehr als 35 Ortschaften sowie das Patronat über neun Kirchen. Die Verwaltung der umfangreichen Klostergüter lag in den Händen von Pröpsten, die alle dem Dominikanerorden angehörten. Für die vom Kloster abhängigen Bauern war eine erfolgreiche Amtsführung der Pröpste meist mit zusätzlichen Abgaben und Frondiensten verbunden.

Im späten Mittelalter gab es zahlreiche Bemühungen, den ursprünglichen strengen Regeln des Klosterlebens wieder Geltung zu verschaffen, von denen sich Mönchs- und Nonnenklöster im Laufe der Zeit z.T. sehr weit entfernt hatten. Von Zeitzeugen wurden vor allem Verstöße gegen das Armutsgelübde, die Vernachlässigung der Seelsorge und anderer geistlicher Pflichten oder die Missachtung der Fastenzeit immer wieder kritisiert. Den Untergang des Klosters konnte die Reform aber nicht mehr verhindern.

Die von Luther eingeleitete Reformation erschütterte auch das Selbstverständnis der Oberwiederstedter Nonnen schwer. 1523 verließen gleich 16 von ihnen das Kloster. Im Mai 1525 wurde Oberwiederstedt, wie die anderen Mansfelder Klöster von aufständischen Bauern gestürmt. Die Nonnen hatten sich und ihre kostbarsten Besitzgüter, nebst wichtigen Dokumenten in Sicherheit bringen können. Die Klostergebäude blieben weitgehend unbeschädigt, weswegen die Nonnen schon bald nach der Zerschlagung des Aufstandes von 1525 zurückkehren konnten.

Das Kloster wurde nach 1561 aufgelöst. Von der in der 1. Hälfte des 13. Jh. gebauten Klosteranlage ist allein die Klosterkirche, deren Bau sich über einem einschiffigen langgestreckten Grundriss mit geradem Ostabschluss und einem Westturm erhebt, erhalten geblieben. Ihr äußeres Erscheinungsbild wird durch einen schlichten, aus Bruchsteinen bestehenden Baukörper geprägt, der mit einer Ausdehnung von ca. 60 m eine ungewöhnliche Länge besitzt. Im Westen schließt sich an das Kirchenschiff der Turm an, der mit einer Breite von 7 m schmaler als das Langhaus ist und dessen quadratischer Schaft in einer Höhe von 12 m in ein Oktogon überwechselt, das mit einer welschen Haube überdacht ist. Der Osten ist schlicht als gerader Chorabschluss gebildet. Seine einzige Zierde war das große und breite Maßwerkfenster, dessen Gewände bis heute im Mauerwerk erkennbar sind. Die Langhauswände sind mit frühgotischen Fenstern unterschiedlicher Abmessungen ausgestattet. Dieses äußere Erscheinungsbild weist auf die innere Zweiteilung der Kirche hin. Eine Trennwand mit einer Dicke von ca. 1 m lässt zwei voneinander unabhängige Räume entstehen. Der Sinn der Aufteilung des Innenraumes in zwei Räume liegt in der Nutzung der Wiederstedter Kirche als Frauenklosterkirche. Im westlichen Raum des Langhauses befand sich eine sogenannte Nonnenempore. Während sich der östliche Teil der Kirche als eindrucksvolles Zeugnis spätmittelalterlicher Speicherarchitektur erhalten hat, ist der westliche Teil (Pfarrkirche) durch zwei weitere Umbauphasen geprägt, die bis heute ablesbar sind.

Die Kirche diente der Gemeinde noch bis zum Jahr 1978 als Gotteshaus. Seit 1993 werden notwendige Restaurationsarbeiten durchgeführt, um die Kirche vor dem weiteren Verfall zu bewahren.



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