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[083] St. Aegidius-Kirche in Hergisdorf
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Objektbeschreibung
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Zeittafel

Ab 1472 auf einer Vorgängerkirche aus dem 12. Jahrhundert errichteter spätgotischer Bruchsteinbau (heimatlicher Zechstein) mit Grabsteinen, die direkten Bezug zum Bergbau haben.

Objektbeschreibung

St. Aegidius Kirche in Hergisdorf 2006, ( Archiv M. Hauche)
Die St. Aegidius - Kirche liegt auf einer Anhöhe östlich des Dorfkerns von Hergisdorf. Sie ist ein spätgotischer Bruchsteinbau (heimatlicher Zechstein) mit charakteristisch großen rundbogigen Schallöffnungen und Satteldach des Westquerturms (inschr. 1472) und dem im Osten liegenden dreiseitig geschlossenen, flachgedeckten Schiff (1512) mit einer kleinen kreuzrippen-gewölbten Vorhalle an der Südseite.

Auch die Maßwerkfenster und das stabwerkgerahmte Südportal des Schiffs zeigen spätgotische Formen. Bemerkenswert ist die einheitliche spätgotische Ausstattung, die einen Schnitzaltar (Anfang des 16. Jh.), eine einfache Sandsteinkanzel aus dem Jahre 1515 und Reste von geschnitztem, mit Astwerkornament und Schriftbändern geschmücktem Gestühl (um 1523) des hallischen Kunsttischlers Gabriel Tuntzel umfasst.

An der inneren rechten Wand der Vorhalle befindet sich, zwar vom Zahn der Zeit etwas angegriffen, ein Bildnis Luthers, der eine Bibel in der Hand hält, auf welcher die Buchstaben „Dr. M“ noch recht deutlich zu erkennen sind. In den oberen Ecken des Reliefs steht die Jahreszahl 1517. Als Bildunterschrift ist der Hinweis „S DER GEMEINE ZV HERSSTORF“ eingetragen. Daraus ist zu schlussfolgern, dass die Gemeinde Hergisdorf wohl als einzige politische Gemeinde ein Lutherbildnis im Siegel bzw. im Wappen führte („S“ steht für lat. Sigillum).

Für den Mansfelder Bergbau bedeutsam sind zwei etwa mannshohe alte Grabsteine, die rechts und links vom Altar stehen. Es handelt sich um sogenannte Bösenburger Grabsteine, die im 17. Jahrhundert von den in Bösenburg lebenden böhmischen Steinmetzen in Sandstein hergestellt wurden. Der links vom Altar stehende Grabstein trägt über und unter dem großen Mittelschilde je zwei schräg gestellte kleinere Schilde, auf denen Vorgänge aus dem Bergmannsleben dargestellt sind. Auf den Bändern, die die oberen Schilde umkränzen, steht

„Auf Fleiß und Schweiß folgt Ertzt (Erz) und Preiß“.

Zu beiden Seiten des großen Mittelschildes sind bergmännische Zeichen angebracht. Die Inschrift auf dem großen Schilde lautet:

Epitaph (Werte unserer Heimat–Mansf. Land, Akademieverl. Berlin 1982)
„Hier ruhen die Gebeine eines christlich. Und wohlerfahrenen Bergmannes Weyland Herrn Johann Michael Truebels Sr. Churfürstl. Durchl. Zu Hannover bey dero Mansf. Eisleb. u. Hettstädt. Löbl. Bergwerke wohlbestallten Obereinfahrers Seeligen. Welcher Ao 1653 den 11. 9ten den Schacht dieser finsteren Welt auf dem St Andreasberge zum ersten mal befahren, aber bei dem Grubenlicht Göttl. Worts das rotgülden Ertzt, Jesum Christum und sein blutiges Heyl, geweltigt. Endlich, nachdem er von Gott Ao. 1710 den 28. Febr. Ausgeschrien worden, Schicht gemacht und in die Berggenossenschaft zum Himmlischen Jerusalem eingetreten ist.“

Auf dem zweiten Stein (rechts vom Altar) sieht man auf einem großen zu beiden Seiten mit Engelsköpfen geschmückten Schilde einen Bergmann in mittelalterlicher Tracht stehen, der einen Schlägel in der Hand hält. Die Inschrift auf dem Schild lautet:

„Allhier ruhet in Gott der Ehren wohlgeachtet, inso Nahmhafte Herr Johann Casper Trübel, Oberberg Steiger, geboren auf d. Andreasberge Ao. 1661 d. 8. January, auf seynen Erlöser sanfft eingeschlaffen den28. April Ao. 1699. Seines Alters 38 Jahre. 3 Monatt 3 Wochen 4 Tage. In Ehestand gelebet 12 Jahren 47 Woche, gezeuget 5 Kinder. 17 Jahre Obersteiger gewest.“

1988 wurde der letzte Gottesdienst in der Kirche gehalten. Dennoch wurden in den letzten Jahren einige notwendige Renovierungsarbeiten an der unter Denkmalsschutz stehenden Kirche durchgeführt. 



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