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[073] Bergarbeitersiedlungen in Sangerhausen mit Denkmälern
Gliederung:
Objektbeschreibung
Informationen für Besucher

Im Zuge der Entwicklung des Bergbaues entstanden in Sangerhausen nach 1945 neue Wohnsiedlungen für die im Bergbau Beschäftigten. In den Wohngebieten und an den Bauten sind Plastiken und Bilder zu finden, die in thematischer Verbindung zum Berbau stehen.

Objektbeschreibung

Nach 1945 erlebte Sangerhausen im Zuge der Entwicklung des Kupferschieferbergbaus im Revier Sangerhausen einen deutlichen Impuls in der städtebaulichen Entwicklung. Es waren vor allem Wohnungen für die Bergarbeiter zu schaffen.

So entstanden als Anhängsel an den alten Stadtkern, der dabei kaum weiterentwickelt oder nur erhalten wurde, Stadtteile in unterschiedlicher Architektur und Bauweise und mit unterschiedlich ausgeprägter „Selbständigkeit“.

Begonnen wurde mit diesem Bau von Wohnsiedlungen am 01.07.1949 im Nordosten der Stadt („Ostsiedlung“). Hier entstanden zweigeschossige Wohnblocks. Es war die der ersten Siedlung mit Mehrfamilienhäusern in Sangerhausen. Gebaut wurden über 460 Wohnungen mit Ofenheizung, aber zunächst noch ohne Bad. Dafür richtete man eine zentrale Waschanstalt mit Badewannen ein.

Fortgesetzt wurde dieser Bau von Wohnungen 1951 am Westrand von Sangerhausen, wo in der „Westsiedlung“ bis 1960 knapp 3.000 Wohnungen in unterschiedlichem und großzügigeren Zuschnitt, aber bereits mit Bad, jedoch noch mit Ofenheizung errichtet wurden.

Standbild eines Bergmanns im Zentrum des Neubauviertels Sangerhausen, Westsiedlung (Archiv Spilker)
Der zentrale Platz der Westsiedlung in der Friedrich-Engels-Straße, flankiert von Einkaufmöglichkeiten und einer Berufs- und einer Polytechnischen Ober-Schule wurde 1955 mit einem Bergarbeiterstandbild des Bildhauers Leibe aus Halle geschmückt.

Denkmal zur Erinnerung an die Rettung der Fahne von Kriwoi Rog in Sangerhausen, Westsiedlung (Archiv Spilker)
Außerdem erhielten hier und auch in anderen Straßen dieses Siedlungsgebiets die Häuser unter Mitwirkung des einheimischen Kunstmalers Wilhelm Schmied (1910 – 1984) an Fassaden, in Tür- und Fensterwölbungen Sgraffittos zu Themen der arbeitenden Menschen. Das Bild zeigt auch das auf diesem Platz aufgestellte Denkmal zur Erinnerung an die legendäre Rettung der von sowjetischen Bergarbeitern aus Kriwoi Rog an die Gesinnungsgenossen im Mansfelder Land übergebenen Fahne über die Zeit des Faschismus.

Der Wohnungsbau wurde fortgesetzt mit den Großblock- und den Großplattenbauten in den Stadtteilen Süd (1960 – 1963 / 970 Wohnungen), Südwest (1963 – 1969 / 3165 Wohnungen), Nord (1977 – 1979 / 860 Wohnungen), Am Faß (1981 – 1982 / 325 Wohnungen), Othaler Weg ( ab 1985 / über 2150 Wohnungen).

Daneben entstanden Handelseinrichtungen, Gaststätten, Schulen, Kindergärten, usw. und nach 1975 am Beinschuh eine Siedlung mit etwa 170 Eigenheimen.

Infolge dieser regen Bautätigkeit und der zunehmenden Zahl der Belegschaft der Schächte des Reviers Sangerhausen steigerte sich auch die Einwohnerzahl in Sangerhausen deutlich:

  • 1942 12.700
  • 1957 22.000
  • 1968 31.660
  • 1982 33.700
  • 1990 34.000

Allerdings liegt diese Zahl von 1990 infolge der nach der Wiedervereinigung erfolgten Betriebsschließungen und der Abwanderung der arbeitsfähigen Bevölkerung heute um rund 10.000 Einwohner tiefer. In allen diesen Stadtteilen sind inzwischen infolge der Bevölkerungsentwicklung und der Anpassung der Wohnungswirtschaft an die deutlich reduzierte Nachfrage viele Wohnungen der Abrissbirne zum Opfer gefallen.



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