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[069] St. Ulrich-Kirche, Sangerhausen
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In der Zeit von 1116 bis 1123 erbaute romanische Pfeilerbasilika im Altstadtzentrum von Sangerhausen

Objektbeschreibung

St. Ulrich-Kirche Sangerhausen (Foto Sauerzapfe)
Die St. Ulrich-Kirche zählt zu den ältesten und interessantesten Bauten des Kreises Sangerhausen. Sie ist ein schlichtes Bauwerk und soll der Sage nach von Ludwig II. von Thüringen, auch Ludwig der Springer genannt, erbaut worden sein.

Ihre Bauzeit wird in die Jahre von 1116 – 1123 gelegt. Die Weihung erhielt sie aber erst 1140.

Die St. Ulrich-Kirche ist eine romanische, kreuzförmige, gewölbte Pfeilerbasilika. Beachtenswert ist die 5-Apsidenanlage – der östliche Abschluss des Kirchenbaues wird von fünf in gleicher Richtung endenden gewölbten Chornischen gebildet. Dieser Baustil weist auf die Hirsauer Klosterbauschule hin. Es gibt heute nur noch sehr wenig erhaltenen Kirchen dieser Bauweise und man kann davon ausgehen, dass sie in Sangerhausen einzigartig im Osten Deutschlands ist.

Die Kirche war während ihrer Gründung eng mit einem Zisterzienser Nonnenkloster verbunden. Straßennamen wie Klosterplatz und Probstgasse deuten heute noch darauf hin. Bis 1513 schickte das Kloster Reinhardsbrunn Geistliche an die St. Ulrich-Kirche.

Beim großen Stadtbrand 1389, bei welchem fast die ganze Stadt zerstört wurde, brannte auch das Kloster völlig aus. Auch die Kirche erlitt erhebliche Schäden. Besonders stark beschädigt wurde der nördliche Kreuzarm der Kirche. Man baute ihn nicht wieder auf, sondern ersetzte die Baulücke durch einen massiven Vorbau.

Nach dem Brand wurde der Kirchturm auf den Vierungspfeilern mit einem achteckigen Unterteil mit seinem spitzen Helm errichtet. Allerdings war er bis zum Jahre 1780 um 15 m höher als heute. Am 17. April 1780 schlug ein Blitz in den Kirchturm und der Kirchturm brannte bis zur Durchsicht ab, da man in solcher Höhe nicht löschen konnte. Die Glocke der Kirchturmuhr zerschlug bei ihrem Absturz das Kirchendach bis zum Dachboden. Danach wurde der Kirchturm in seiner heutigen Form - eben 15 m niedriger – wieder aufgebaut.

Die wohl aufwendigste Renovierung erfuhr die Kirche in den Jahren 1892/93 sowohl am Äußeren als auch im Inneren. Man war dabei bemüht, eine Reromanisierung durchzuführen. Es wurden zwei neue Eingangsportale an der Südseite eingebaut, die Fenster in den Seitenschiffen ersetzte man durch größere romanische, währen die oberen Fenster des Mittelschiffes in ihrer ursprünglichen Form erhalten blieben. Sehr wichtig war jedoch der Neubau des nördlichen Seitenflügels und der Anbau einer dringend benötigten Sakristei, in der heute einige Pastorenbilder aufbewahrt werden.

Über der Sakristeitür ist ein stark verwittertes Tympanon eingesetzt, dass dem Gründungsritual der Kirche gewidmet ist. Zu sehen sind zwei sitzende Gestalten, Ludwig und der heilige Ulrich. Umrahmt sind die Figuren mit einem Schriftband in lateinischer Sprache: „Nimm hin du heiliger St. Ulrich, das Haus, das ich dir zu bauen im Gefängnis gelobt habe.“

Durch den Orgelbaumeister Strobel aus Bad Frankenhausen wurde eine neue Orgel eingebaut. In der Innenausstattung erfuhren die Orgelempore, die Bänke und das Gestühl einen Erneuerung.

Das Innere der St. Ulrich-Kirche zeigt uns heute den ursprüngliche Zustand viel genauer als die äußere Bauhülle. Der Altarraum ist mit interessanten Zeugnissen früher romanischer Handwerkskunst ausgestattet. Sehr gut herausgearbeitet sind Palmenzweige, Rosetten, Weinreben, Tauben, Löwen und das Schachbrettmuster. Im Kirchenraum vermutet man Grabstätten, deren Lage unbekannt ist. Eine Krypta bzw. Gruft wurde offensichtlich nicht eingebaut.

Beachtenswert sind einige Grabmale. Im nördlichen Seitenschiff ist das Grabdenkmal aus dem Jahre 1583 des Wolf von Morungen und seiner Gemahlin Anna von Bendeleben aufgestellt. Bildlich dargestellt, in Form einer Renaissance-Architektur, ist die kniende, geharnischte Figur des Verstorbenen, ihm gegenüber die Gattin in Witwentracht. Auf der Rückwand wird das Bibelwort „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht“ in einem Relief illustriert.

Links neben der Tür zur Sakristei steht ein Epitaph von 1610 aus graugrünem Alabaster, dass an die Familie des Dr. Michael Tryller erinnert.

Das älteste Grabdenkmal aus dem Jahre 1558 zeigt die Abbildung des Schössers Valentin Fuchs in ganzer Gestalt.

Daneben befindet sich das Grabmal des Bergvogtes Calixtus Kern, gestorben 1656.

Der bronzene Taufkessel ist ein Geschenk des damaligen Landesherren Herzog Magnus und wurde 1369 in Nürnberg gegossen.

Der Amtmann Nickel von Ebeleben stiftete 1570 den dreiteiligen Altaraufsatz. Im Mittelteil ist die Kreuzigung Christi zu sehen, während auf den Nebentafeln die Auferstehung bzw. die Kreuztragung zu sehen sind. 



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